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Blogger in Marokko muss zwei Jahre einsitzen

Mohamed Erraji hat sich den Ramadan anders vorgestellt. Statt den Fastenmonat im Kreis seiner Familie zu verbringen, wurde er verhaftet. Zwei Jahre muss der 32-Jährige jetzt ins Gefängnis. In einem Blog hatte er die Wohltätigkeitspolitik des marokkanischen Regenten aufs Korn genommen. Wegen eines Artikels im Internetmagazin „Hespress“ war der Journalist Mohamed Erraji in einem ersten Schnellverfahren zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet 430 Euro verurteilt worden. „Das Gerichtsverfahren dauerte nur zehn Minuten“, berichtete einer der Verwandten des verurteilten Bloggers. Reporter ohne Grenzen (ROG) nannte den Prozess „unfair“, einen „großen Rückschritt für das Königreich“ und forderte die sofortige Freilassung. „Die Behörden benutzen Mohamed Erraji als abschreckendes Beispiel, um andere Blogger davon abzuhalten, den König im Internet zu kritisieren.“ Der Korrespondent von „Hespress“ in Agadir hatte in einem Webartikel die Wohltätigkeitspolitik des marokkanischen Reg...

Rückzug aus Resignation

Ob beim Friseur oder im Basar, in Damaskus, Beirut oder Rabat - wo immer man nach Muammar al-Gaddafi fragt, wird der Finger unter die Nase gehalten und das Schnupfen eines Kokainsüchtigen simuliert. Was der Mann von der Straße dem libyschen Revolutionsführer unterstellt, würde seinen unausgeschlafenen Eindruck sowie seine Unberechenbarkeit erklären. Anfang August stoppte Gaddafi alle Öllieferungen an die Schweiz, nachdem dort einer seiner sechs Söhne wegen Misshandlung der eigenen Angestellten verhaftet worden war. Schweizer Firmen in Libyen, inklusive Nestlé, wurden geschlossen, zwei Schweizer Staatsbürger verhaftet. Für Muammar Gaddafi ist das alles business as usual, schließlich diktiert er die Rechtsstaatlichkeit. Politisch Andersdenkende werden verfolgt, unliebsame Presseberichte bestraft und unabhängige Nichtregierungsorganisationen nicht zugelassen. Punkte, die Seif al-Islam Gaddafi, der zweitgeborene und politisch engagierte Sohn des Revolutionsführers - im Gegensatz zu vielen ...

Anschlagsserie in Algerien - Al-Qaida im Maghreb wächst

Für Algerien entwickelt sich der Urlaubsmonat August zu einem Blutbad. Weniger als 24 Stunden nach dem Anschlag auf eine Polizeiakademie, bei dem 44 Rekruten starben, sprengten am Mittwoch erneut zwei Selbstmordattentäter ihre mit Sprengstoff beladenen Autos und töteten dabei elf Menschen. Die Anschläge kamen keineswegs überraschend. In den vergangenen drei Wochen hatte es bereits vier Überfälle auf Polizeistationen und Militärpatrouillen gegeben, bei denen mindestens 20 Menschen ums Leben kamen und 50 verletzt wurden. Hintergrund ist der Versuch der algerischen Behörden, der al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqim) den entscheidenden militärischen Schlag zu versetzen. 2007 hatte man 1100 Terroristen verhaftet oder getötet. Hauptaugenmerk gilt nun der Tizi-Ouzou-Provinz, einer östlich der Hauptstadt Algier gelegene Bergregion, die als Hauptrückzugsgebiet der Terrorgruppe gilt. Laut Regierungsangaben wurden dort in der ersten Augustwoche bei einer Überraschungsoperation der Armee zwölf Te...

Hisbollah rüstet zum nächsten Krieg gegen Israel

Die Bewohner Beiruts sind an israelische Militärjets gewöhnt. Zwischen Nacht und Morgengrauen durchbrechen sie immer wieder dicht über der libanesischen Hauptstadt die Schallmauer. Ein tiefer Donner ist dann zu hören, die Fensterscheiben vibrieren bedrohlich. Aufklärungsflüge über dem Libanon sind für Israel ein wichtiger Bestandteil seiner Militärstrategie. Die libanesische Regierung hält sie für einen Verstoß gegen internationales Recht, wie sie mehrfach bei den UN monierte. Geht es nach der Hisbollah, der schiitischen Partei und Miliz im Libanon, soll es mit der uneingeschränkten Lufthoheit der israelischen Kampfjets bald vorbei sein. "Es ist notwendig, diesen Verstößen endlich ein Ende zu bereiten", hieß es in einer Erklärung der Organisation im Juli. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah sprach von einer neuen "Verteidigungsstrategie". Es ist die deutliche Drohung, mithilfe moderner Radaranlagen und Luftabwehrraketen die verhassten israelischen Aufklärer in Zukunft...

Blumen statt Schläge für die Ehefrau

Türkische Fernsehserie bricht mit vielen Tabus konservativer islamischer Länder - und ist von Saudi-Arabien bis Marokko der absolute Quotenhit "Teuflisch und unmoralisch" nannte der Großmufti Saudi-Arabiens die türkische Fernsehserie "Nur" und forderte die TV-Stationen auf, ihren "Angriff auf Gott und seinen Propheten" unverzüglich einzustellen. In der palästinensischen Stadt Nablus warnte ein Parlamentarier und Prediger der radikal-islamischen Hamas vor der Serie, die gegen "Religion, Werte und Tradition" verstoße. Viel Gehör fand allerdings keiner der beiden Würdenträger. Zwischen drei und vier Millionen Saudi-Araber sehen jeden Abend die religiös verbotene Seifenoper über das Leben und die Liebe von Nur und ihrem Ehemann Mohannad. Im palästinensischen Gazastreifen und im Westjordanland sind die Straßen zur Sendezeit wie leer gefegt. Und sollte der Strom wieder einmal ausfallen, stellt man sich den Wecker, um die Wiederholung am frühen Morgen n...

Wo Deutschlands Drogen herkommen

3000 Tonnen pro Jahr, 80 Prozent des europäischen Gesamtbedarfs, ein Geschäft von 20 Milliarden Euro: Marokko ist der größte Haschischexporteur der Welt. Ein Großteil wird im unzugänglichen Rif-Gebiet produziert. Das Königreich hat den Kampf gegen die Drogenbarone längst verloren. Von der Hafenstadt Larache am Atlantik dauert die Fahrt ins Rif-Gebirge, dem Herzland des Kif, wie Marihuana in Marokko genannt wird, keine Stunde. Von Kilometer zu Kilometer häufen sich die tiefgrünen Pflanzungen der verbotenen Droge zwischen Bohnen- und Maisfeldern. Außer einzelnen, billigen Wellblechhäusern ist von Zivilisation bald keine Spur mehr. Aus dieser malerischen Berggegend stammt der Großteil des Haschisch, das nach Europa exportiert wird. Rund 3000 Tonnen sind es pro Jahr – 80 Prozent des europäischen Gesamtbedarfs. Marokko ist damit größter Haschischexporteur der Welt. Auf modernen Schnellbooten, unter Fischladungen versteckt, oder mit Kleinflugzeugen wird das Kif zuerst nach Spanien, dann weit...

Arabische Blogger haben es nicht leicht

„Warum Bloggen wir?“ fragte Fouad Al-Farhan im Dezember 2007 auf seiner Webseite über Saudi-Arabien. Die Antworten des Bloggers gefielen den Behörden offensichtlich nicht. Er wurde verhaftete und sitzt seitdem im Gefängnis. Fouad Al-Farhan hatte die Korruption in seinem Land kritisiert und war für politische Reformen eingetreten. Mit seiner Verhaftung erreichten die saudischen Autoritäten allerdings das Gegenteil von dem, was sie wollten. Statt Al-Farhan und seine Kritik mundtot zu machen, kursieren seine Thesen nun weltweit im Internet. Selbst US-Präsident George W. Bush soll sich bei seinem Besuch im Januar in Saudi-Arabien mahnend nach dem Schicksal des Bloggers erkundigt haben. „Die Zeiten der absoluten Staatskontrolle der Medien sind vorbei“, sagt Larbi El Halili, der einen der erfolgreichsten Blogs in Marokko betreibt. „Niemand kann mehr die Fülle im Netz total kontrollieren und nach unliebsamen Inhalten filtern“. Mittlerweile könnten Blogs sogar viele Menschen mobilisieren, fü...