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Entscheidungsschlacht im industriellen Herz Syriens

Wer Syriens Industriemetropole Aleppo verliert, kann nicht mehr gewinnen. Dort stellen sich die Rebellen jetzt der Offensive des Regimes. Der Showdown im erbitterten Stellvertreterkrieg.   Von meinem Welt-Kollegen Peter Steinbach, Aleppo Foto: VICTOR BREINER Man sieht diesen Männern einer Widerstandsgruppe an, dass sie nicht ihr ganzes Leben mit selbst fabrizierten Waffen zu tun hatten. Immer wieder kommt es dabei auch zu Unfällen  "Die Rakete sitzt", sagt Abu Hamsa. "Alle in Deckung". Der Frontkommandant brennt die Zündschnur an. "Allahu akbar", Gott ist groß, rufen die etwa 30 Kämpfer des letzten Außenpostens auf einem Hügel von Kafr Hamra, eine gute Autostunde von Aleppo entfernt. Dann explodiert das kleine Sprengstoffsäckchen im Rohr der Rakete mit ohrenbetäubendem Lärm. Aber statt die tödliche Fracht in Richtung der syrische Armee zu schleudern, die keinen Kilometer entfernt im Tal steht, wird die Rakete ...

"Sie kämpfen gegen uns, weil wir Sunniten sind"

Von Alfred Hackensberger aus Beirut Kurz ist das Rauschen von Hubschrauberrotoren zu hören. Dann folgt das Donnern vom Einschlag mehrerer Raketen. Es ist der erste Angriff auf das Stadtzentrum von Arsal, einem Ort im Nordlibanon, der nur zehn Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. "Gott hat uns beigestanden", sagt Hamza, dessen Haus von einer Rakete knapp verfehlt wurde. Der 39-Jährige ist Leiter einer islamischen Hilfsorganisation, die sich um die Versorgung syrischer Flüchtlinge kümmert. Gleichzeitig schmuggelt Hamza Waffen sowie Kämpfer nach Syrien und bringt von dort Verwundete nach Arsal. Der Krieg im Nachbarland ist längst auf den Libanon übergesprungen. Mit dem Engagement der schiitischen Hisbollah aus dem Libanon aufseiten der syrischen Armee haben sich die Konfliktlinien auch hier verschärft. In der Grenzstadt Arsal sind fast alle der 35.000 Einwohner Sunniten und unterstützen, wie die mei...

"Amerika wird sich der Faktenlage anpassen"

In einem Interview hat sich Syriens Präsident Baschar al-Assad kompromisslos gegeben. Das syrische Militär lässt Taten folgen und erobert eine strategisch wichtige Stadt von den Rebellen zurück. Von Alfred Hackensberger Foto: AP Baschar al-Assad im Gespräch mit Journalisten derargentinischen Zeitung "Clarín" Die Hälfte des Landes ist nicht mehr unter seiner Kontrolle, aber Baschar al-Assad ist zuversichtlich. In einem seltenen Interview mit internationalen Medien gab sich der syrische Präsident souverän und denkt auch nach über zwei Jahren Bürgerkrieg nicht an einen Rücktritt. "Ich stehe zu meiner Verantwortung wie ein Kapitän eines Schiffs im Sturm", sagte Assad im Gespräch mit der argentinischen Zeitung "Clarín". "Was würde man über einen Kapitän denken, der in einer Notsituation Schiff und Mannschaft im Stich lässt?" Der Präsident will unter allen Umständen bis zu den Wahlen ...

Wie weit der Krieg in Syrien noch geht

Ein verstörendes Video wirft ein neues Licht auf Syrien. Es zeigt einen Fall von Kannibalismus. Unser Reporter kennt diesen Konflikt. Er sucht im Kriegsgebiet nach einer Erklärung. Von Alfred Hackensberger Bilder des Krieges in Syrien 1 / 6 Foto: REUTERS Leidtragende des Konflikts sind nicht zuletzt die Kinder, wie dieses hier in Aleppo. In der Nähe von Damaskus geriet sogar ein SOS-Kinderdorf zwischen die Fronten. Gott segne dich! Du zeichnest ihm ja ein Liebesherz auf die Brust", witzelt der Kameramann. Aber zum Lachen ist das knapp eine Minute lange Video nicht. Es ist eines der abscheulichsten Dokumente des seit über zwei Jahren dauernden Bürgerkriegs in Syrien. Ein Rebellenkomma...

Syrien, Hisbollah. Über die neue Dimension des Bürgerkriegs

Von Alfred Hackensberger Der Sarg des Hisbollah-Kämpfers ist in die gelbe Flagge mit dem Kalaschnikow-Emblem gehüllt. Einige hundert Trauergäste marschieren bei der Prozession Anfang Mai. Vorneweg fährt ein Wagen mit grossen Lautsprechern, aus denen Koranverse dröhnen. Ein neues Bild. Noch vor wenigen Wochen wurden Hisbollah-Kämpfer, die im syrischen Bürgerkrieg ihr Leben liessen, in aller Stille beerdigt. Die Geheimniskrämerei fand ein Ende, als Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah im hauseigenen TV-Sender Al-Manar erklärte, die Hisbollah kämpfe ab jetzt an der Seite von Syriens Präsident Bashar Assad. Mit seiner Ankündigung eröffnete der Libanese Nasrallah eine neue Dimension im syrischen Bürgerkrieg, der nun schon zwei Jahre währt. Die Schiitische Hisbollah kämpft nun offiziell Seit an Seit mit dem schiitischen Assad, gegen die sunnitischen Rebellen, unter denen sich viele radikale Islamisten finden. Seitdem ist der Glaubenskrieg in Syrien voll entf...

Das angebliche Gift im Blut der syrischen Patienten

Der türkische Premier Erdogan ist sich bereits sicher, dass Syriens Machthaber Chemiewaffen benutzt. US-Außenminister John Kerry sprach von "starken Beweisen" und einer "schrecklichen Wahl". Von Alfred Hackensberger Foto: REUTERS Verwundete Syrer in einem türkischen Krankenhaus Weiterführende Links Rund um die Uhr stehen Notarztwagen an der türkischen Grenze bereit. "Es sind mindestens 40 Verwundete, die jeden Tag zu uns gebracht werden", sagt ein wachhabender türkischer Soldat am Grenzposten von Reyhanli, einem der größten und wichtigsten Übergänge nach Syrien. "Dort herrscht Krieg, und nur bei uns können sie richtig behandelt werden", fügt der Soldat hinzu. Seit letzter Woche wird neuerdings allen aus Syrien ankommenden Patienten eine Blutprobe entnommen. Getestet wird nach Spuren von chemischen Kampfstoffen. Man wolle mit allen erdenklich...

Del Ponte vergaloppiert sich im syrischen Giftgas

Die prominente UN-Ermittlerin Carla del Ponte verlässt sich auf Aussagen zu C-Waffeneinsätzen und beschuldigt kurzerhand Syriens Rebellen. Ein leichtsinniger Fehltritt auf politisch vermintem Gelände. Von Alfred Hackensberger Foto: dpa Schon als Chefanklägerin des internationalen Tribunals zu Ex-Jugoslawien wusste sie Aufmerksamkeit zu erregen: Carla del Ponte "Wir möchten klar stellen, dass wir keine eindeutigen Resultate zum Einsatz von chemischen Waffen jedweder Konfliktpartei in Syrien haben." Mit einer eiligen Pressemitteilung richtet sich am Montagnachmittag die unabhängige internationale Untersuchungskommission der UN in Sachen Syrien an die Öffentlichkeit. Eine Erklärung, die nötig geworden war, nachdem ein prominentes Mitglied der Kommission behauptet hatte, es gebe stichhaltige Verdachtsmomente – die frühere Chefanklägerin des internationalen Jugoslawien-Tribunals Carla del Ponte. Bisher waren Regimetrupp...