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Das grausame Geschäft mit Hoffnung und Elend

Im libyschen Küstenort Zuwara legen Flüchtlinge ihr Leben in die Hände von Schlepperbanden. Unter schlimmen Bedingungen warten sie auf die Reise ins Ungewisse. Die Schlepper verdienen an ihrem Elend. Von Alfred Hackensberger, Zuwara Foto: Victor Breiner In Zuwara liegen alte hölzerne Fischerboote auf dem Trockenen. Mit solchen Schiffen werden Flüchtlinge von Libyen nach Italien geschmuggelt   Der warme Abendwind weht durch die Palmen am Strand und bläst den Sand in die Vorgärten. "Heute fährt kein Boot nach Lampedusa , das Wetter ist zu schlecht", stellt Abu Salem auf der Terrasse seiner großzügigen, zweistöckigen Villa fest. Er zeigt aufs Meer hinaus, zu den hohen Wellen, deren weiße Gischt auch in der Dunkelheit noch zu erkennen ist. Abu Salem weiß, wovon er spricht. Er ist ein Menschenschmuggler, der Flüchtlinge übers Mittelmeer illegal nach Europa bringt. Sein Standort ist Zuwara, eine Hafenstadt an der liby...

Milizen feuern auf Protestzug – Tote und Verletzte

Demonstranten ziehen durch Tripolis und fordern den Rückzug der Milizen. Plötzlich eröffnen bewaffnete Freischärler willkürlich das Feuer auf die Menge, 32 Menschen sterben. Von Alfred Hackensberger, Tripolis Video abspielen Bei Protesten gegen bewaffnete Milizen in Tripolis sind Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Es war einer der schwersten Straßenkämpfe seit dem Sturz des Machthabers Gaddafi. "Wir marschieren friedlich und ohne Waffen", rief der Sprecher auf dem Podium den etwa zweitausend Menschen zu. Sie hatten sich nach dem Freitagsgebet vor der Al-Quds-Moschee in Tripolis versammelt, um gegen die Willkür der Milizen zu demonstrieren. Der lokale Rat der libyschen Hauptstadt (TLC) hatte zu den Protesten aufgerufen, nachdem es letzte Woche erneut zu Schießereien zwischen rivalisierenden Milizen gekommen war. Auch der Großmufti von Libyen hatte seine Unterstützung beka...

Unterstützt die Türkei Syriens Islamisten?

Syriens kurdische Rebellen wollen mit neuen Dokumenten erstmals das Innenleben der Al-Nusra-Islamisten beschreiben können. Demnach werden die Al-Qaida-Verbündeten von der Türkei unterstützt. Von Peter Steinbach, Amuda Foto: Victor Lacroix Al-Qaida im Blick: Ein Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG "Die Islamisten haben sich dort hinten im Wald verschanzt", sagt Kommandant Schorwasch. Mit einem Funkgerät in der Hand zeigt er auf einige Baumwipfel am Rande von Alouk, einem syrischen Dorf unweit der türkischen Grenze. "Sie sind keine 700 Meter von uns entfernt." Plötzlich knallt ein Schuss, und das unverwechselbare Sausen einer Kugel aus einem Scharfschützengewehr ist zu hören. "Sie sind nervös", meint Schorwasch schmunzelnd. "Besser, wir gehen in Deckung." Der 25-Jährige ist an diesem Frontabschnitt der Verantwortliche der kurdischen Volksverteidigungseinheiten ...

Ein syrisches Wunschkonzert im Radio

Das Radio-Machen lernte Siruan Hossein in Nordrhein-Westfalen. Jetzt senden er und sein Team mitten aus dem syrischen Bürgerkrieg, aus einer Stadt im Kurdengebiet. Jeder Beitrag ist unzensiert. Von Peter Steinbach, Amuda Foto: Victor Lacroix "Bei uns kann jeder sagen, was er will", sagt Siruan H. Hossein (M., mit seiner Redaktion). Nicht jedem in seiner Heimat gefällt das     "Und nun, meine Zuhörer, wünscht sich Sultana das Lied ,Haho'", sagt die Moderatorin ins Mikrofon, "und wer es nicht mehr wissen sollte", ergänzt sie, "der Song ist von Abdel Hosni." Der Tontechniker spielt die Musik des kurdischen Sängers ein. Die Moderatorin Beriwan Ide wippt im Takt. Es ist das tägliche Wunschkonzert auf Arta.FM , einem neuen syrischen Radiosender. Anschließend geht es um Frauenrechte, Psychologie und Eminem, den Hip-Hopper aus dem US-Bundesstaat Missouri. Jeder Beitrag geht unzensiert üb...

Szenen der tödlichen Allianz Assads mit dem Iran

Für die Rebellen gelten sie als Inkarnation des Bösen. "Sie kennen kein Erbarmen, sie schlachten Kinder ab und vergewaltigen Frauen", sagt der Rebellenkommandant Abu Ali in Aleppo. Gerade in der Industriemetropole im Norden des Landes, wo seit mehr als einem Jahr ein Pattsituation zwischen Opposition und Regimetruppen an den Nerven zerrt, könnte der Hass auf die iranischen Helfer des syrischen Diktators nicht größer sein. "Diese Söldner morden das syrische Volk im Auftrag von Baschar al-Assad . Es sind widerliche Menschen", speit der Rebell aus, wenn man ihn nach den iranischen Soldaten fragt, die an der Seite der syrischen Regimetruppen kämpfen. Die Islamische Republik ist, neben Russland, der wichtigste Verbündete des Assad-Regimes. Am Freitag trafen sich der neue iranische Präsident, Hassan Ruhani , und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin . Die Situation in Syrien und die internationale Kontr...

"Ein koordinierter Angriff aus mehreren Richtungen"

Eliot Higgins gilt als der bestinformierte Waffenexperte des syrischen Bürgerkriegs. Der Blogger bildet aus vielen kleinen Beweisstücken ein großes Bild – so auch bei der Giftgas-Attacke in Damaskus. Von Alfred Hackensberger Eliot Higgins wertet öffentlich zugängliche Quellen über den Syrien-Krieg aus   Der Brown-Moses-Blog ist zur wichtigen Informationsquelle über den syrischen Bürgerkrieg geworden. Sein Betreiber, Eliot Higgins, wertet alle öffentlich zugänglichen Quellen aus und prüft sie auf Plausibilität. Die Welt: Im März 2012 begannen Sie den Brown Moses Blog als Hobby. Heute gelten Sie als der bestinformierte Waffenexperte des syrischen Bürgerkriegs. Sie haben den Einsatz von Streubomben durch das Regime aufgedeckt sowie geheime Waffenlieferungen an die Rebellen, bei denen Saudi-Arabien und die CIA beteiligt waren. Wie machen Sie das? Eliot Higgins: Ich benutze öffentlich zugän...

Hisbollah trommelt Kämpfer gegen Israel zusammen

An den Checkpoints der libanesischen Hisbollah-Miliz stehen plötzlich nur noch Teenager. Alle älteren Kämpfer habe ihren Posten verlassen, um für Baschar al-Assad zu kämpfen – und gegen Israel. Von Alfred Hackensberger Foto: AP Ein Hisbollah-Kämpfer im Süden Libanons: Die Organisation gilt als gut bewaffnet Die großen, breitschultrigen Männer sind von den Checkpoints verschwunden. Bewaffnete Teenager haben nun die Aufgabe übernommen, Fahrzeuge und Passagiere an den Zufahrtsstraßen zur Dahieh zu kontrollieren. Sie sollen weitere Anschläge verhindern. Zwei Autobomben hatten in den letzten drei Monaten in den schiitischen Wohngebieten im Süden Beiruts über 20 Menschen getötet und Hunderte verwundet. Dahieh gilt als Hochburg der Hisbollah, die wegen ihrer militärischen Unterstützung der Regimetruppen Präsident Bashar al-Assads im Fadenkreuz der syrischen Opposition steht. Die europäische Union setzte im Juli den militär...