Direkt zum Hauptbereich

Wenn Kurden gegeneinander kämpfen, reibt Erdogan sich die Hände

Der letzte Außenposten der Perschmerga, der kurdischen Armee im Nordirak – danach beginnt das Gebiet, in dem sich zunehmend die PKK festsetzt


Im Nordirak stehen Truppen der kurdischen Autonomieregiegerung im Konflikt mit der kurdischen PKK. Dahinter steht die Angst vor türkischen Angriffen, weil die Milizen der PKK sich immer weiter ausbreiten. Unsere Reporter Alfred Hackensberger berichtet aus einer Region, die Ankaras neues Schlachtfeld wird.

Payman Talib ist noch blass und wirkt etwas verloren auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer. Die 31-jährige Frau ist erst vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen. Seit sechs Monaten muss sie sich immer wieder operieren lassen. Ihre Hände und Arme sind mit großen, rötlichen Verbrennungsnarben überdeckt. Neben dem Sofa steht eine Gehhilfe aus Metall. Die braucht die junge Frau, denn ihr fehlt das linke Bein unterhalb des Knies. Die Verletzungen sind das Resultat eines türkischen Drohnenangriffs auf ihr Lebensmittelgeschäft in Kuna Masi.

Das Dorf ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht weit von Sulamaniya in den Bergen der autonomen Kurdenregion (KRG) im Nordirak. „Ich werde diesen Moment nie vergessen“, sagt Talib. „Mein Mann holte gerade Eier für einen Kunden, als die Rakete explodierte.“

Wie durch ein Wunder trafen ihren Mann und die beiden Kinder nur kleinere Schrapnelle. Aber für den Kunden, der auf die Eier wartete, endete der Einkauf tödlich. Ein großer Metallsplitter zertrennte ihn in zwei Teile. Seine drei Begleiter, die draußen in einem Toyota Pickup warteten, wurden schwer verletzt.

Payman Talib mit ihrer Tochter Hamisha und ihrem Mann Kaiwan Kawa
Payman Talib mit ihrer Tochter Hamisha und ihrem Mann Kaiwan Kawa
Quelle: Sebastian Backhaus

Es waren diese vier Männer, auf die es die türkische Drohne abgesehen hatte. Denn sie gehörten zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die die Türkei als Terrorgruppe einstuft und seit Jahren verfolgt. Die PKK und ihre Ableger werden als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingeschätzt. Wie real diese Bedrohung tatsächlich sein mag, ist umstritten. Die Türkei benutzt sie in jedem Fall als Vorwand für ihre Hegemoniepolitik. 

Weiterlesen auf WELT

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Christoph Luxenberg - Interview/ English

The Virgins and the Grapes: the Christian Origins of the Koran A German scholar of ancient languages takes a new look at the sacred book of Islam. He maintains that it was created by Syro-Aramaic speaking Christians, in order to evangelize the Arabs. And he translates it in a new way by Sandro Magister That Aramaic was the lingua franca of a vast area of the ancient Middle East is a notion that is by now amply noted by a vast public, thanks to Mel Gibson’s film “The Passion of the Christ,” which everyone watches in that language. But that Syro-Aramaic was also the root of the Koran, and of the Koran of a primitive Christian system, is a more specialized notion, an almost clandestine one. And it’s more than a little dangerous. The author ...

Fragen zum Massaker

Mehr als 250 Menschen sollen in Tremse, einem kleinen Dorf nahe der Stadt Hama, getötet worden sein. Darunter viele Frauen und Kinder. Die Täter: Soldaten der syrischen Armee. So die erschreckende Meldung über ein neues Massaker im syrischen Krieg. Es wäre das bisher grösste seit Beginn des Blutvergiessens vor 16 Monaten. Die Empörung weltweit ist gross. US-Aussenministerin Hilary Clinton sprach aufgebracht von «unzweifelhaften Beweisen, dass das syrische Regime absichtlich unschuldige Zivilisten tötete.» Doch was wissen wir tatsächlich über das Massaker von Tremse? Von heftigen Kämpfen und Hubschraubern, die Raketen abschossen, berichtet die Patrouille der syrischen UNO-Beobachtermission gestern. Sie kam am Freitag bis auf sechs Kilometer an das Dorf heran. Die Kämpfe hätten begonnen, nachdem die Freie Syrische Armee (FSA) einen Konvoi der Regierungstruppen angegriffen hatte. «Unsere Patrouille», so heisst es im zweiseitigen Bericht der UNO, der gestern veröffentlicht w...

Christen als Opfer der syrischen Rebellen

Die andere Seite der Gewalt: In der Protest-Hochburg Homs starben viele Christen. Sie waren Ziel der Aufständischen. Mehr als zwei Dutzend Menschen sind am Samstag gestorben, als zwei Autobomben eine Polizeistation und ein Gebäude des syrischen Geheimdienstes zerstörten. Es ist der dritte solche Anschlag binnen drei Monaten. „Sie tragen alle Erkennungszeichen von al-Qaida", bestätigte James Clapper, Direktor des nationalen US-Geheimdienstes. Das hört die syrische Opposition gar nicht gern. Sie beschuldigt nämlich das Regime, die Autobombenanschläge inszeniert zu haben, um Regierungsgegner zu diskreditieren. Dabei nimmt es die Opposition selbst nicht so genau mit der Wahrheit. „Der Großteil der Medien nimmt Partei für die Rebellen", sagt Patrick Sookhdeo. „Sie klagen ausnahmslos die syrische Regierung an und vergessen, kritische Fragen zu stellen." Sookhdeo arbeitet als Internationaler Direktor des Barnabas Funds, einer christlichen Hilfsorganisation, die sich weltweit um...