Montag, 23. November 2009

Marrakesch, die neue Metropole für billigen Sex

Marrakesch ist zu einem Zentrum des internationalen Sextourismus geworden. Gerade aus den arabischen Ländern am Golf kommen immer mehr Besucher auf der Suche nach schnellem Sex. Im Visier sind dabei nicht nur Frauen, sondern auch junge Männer – und das, obwohl Homosexualität in Marokko gesetzlich verboten ist.

Nach Marrakesch kommen immer mehr Touristen auf der Suche nach billigem Sex. Begehrt sind dabei nicht nur junge Frauen

In einem luxuriösen Appartement in Marrakesch tanzen nackte Mädchen bis in den frühen Morgen. Danach wälzen sie sich zum Amüsement ihrer Kunden über den Fußboden, auf dem Geldscheine ausgestreut sind. Was an den verschwitzten Körpern der Frauen hängen bleibt, ist ihre Entlohnung für die Nacht, die nun erst richtig beginnt. „Dann kommt der Sex“, erklärt Fatima, eine 21-jährige Prostituierte, die sich mit ihrer Freundin Naima auf Kunden aus den arabischen Ländern am Golf spezialisiert hat. „Das ist zwar manchmal wie Sklaverei, dafür zahlen sie aber besser als andere Ausländer.“

Die Besucher aus Saudi-Arabien, Kuwait oder den Arabischen Emiraten sind allerdings nicht nur für ihr Interesse an jungen Frauen bekannt. „Ob hier in Marokko, im Libanon oder in Ägypten“, meint ein Zigarettenverkäufer in Marrakesch, „jeder weiß doch, dass sie auch hinter Männern her sind. Je jünger, desto besser.“

Mit diesen Vorlieben sind die Touristen aus den Golfstaaten in der ehemaligen marokkanischen Königsstadt genau richtig. Marrakesch ist heute, neben dem Atlantik-Badeort Agadir im Süden des Landes, ein Zentrum des internationalen Sextourismus. Am Platz Djamaa al-Fna, mit seinen Magiern, Akrobaten und exotischen Tieren, aber auch in Restaurants und Bars, die von Touristen besucht werden, trifft man neben weiblichen auch jederzeit männliche Prostituierte.

Von Gauklern, Märkten und Palästen

Homosexuelle schätzen „die erotische Atmosphäre einer Männergesellschaft“, wie Stefan S. aus Deutschland bekennt. „Niemanden stört es, wenn Männer auf offener Straße Händchen halten oder sich auf die Wange küssen.“ Zum anderen wegen billigem Sex, der überall leicht zu haben sei. „Vielen Marokkanern macht das auch Spaß“, versichert der 45-jährige Deutsche. „Sie sind verheiratet, haben Kinder, aber gleichzeitig einen Freund.“ Dabei ist Homosexualität in Marokko gesetzlich verboten.

In Marrakesch haben viele Homosexuelle, wie andere Ausländer auch, ein altes Haus gekauft und renoviert. Bevorzugt ein Riad (Haus mit Innenhof) in der Altstadt, die heute hauptsächlich von Spaniern, Franzosen, Engländern oder US-Amerikaner bewohnt wird. In exotisch-orientalischer Atmosphäre feiert man Cocktailpartys und hält Diners.

Dabei können die marokkanischen Hausangestellten schon mal in knappen Lederkostümen oder anderen Fantasieuniformen die Gäste bewirten. Längst hat sich um homosexuelle Touristen eine eigene Sexindustrie gebildet. Viele junge Männer aus verarmten Dörfern der Umgebung zieht es nach Marrakesch, um „leichtes“ Geld zu machen und ihre Familien zu ernähren.

Der Faktor „Armut“ ist laut einem Bericht „Koalition gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern“ der entscheidende Faktor, der Kinder zur Prostitution bringt. Pädophilie, der Sex mit Kindern und Jugendlichen (in Marokko bis zum Alter von 18 Jahren), hat in Marrakesch erhebliche Ausmaße angenommen.

Die marokkanische Polizei bildete eine Sondereinheit, die schon oft Ausländer verhaftete. Darunter einen Franzosen, der im Besitz von 17.000 Fotos und 140.000 Videoaufzeichnungen war, die er an pornografische Webseiten verschickte. „Die Situation ist außer Kontrolle“, sagt Najia Adib, die Präsidentin von „Touche pas à mes enfants“.

„Vermittler haben eine Preisliste, was ein Zehnjähriger und ein Zwölfjähriger kosten. Je jünger, desto teurer, da diese vorwiegend von den Sextouristen bestellt werden.“ Erschreckend sei zudem, dass viele der missbrauchten Kinder und Jugendlichen erzählten, sie würden es aus Vergnügen tun – „ich bekomme 500 Dirham (etwa 50 Euro), ohne Touristen ist das nicht möglich“.

In Marokko könnte als nächstes die Hafenstadt Tanger Opfer von Sextouristen werden. Bis 2013 will man dort, so Raschid Ihdeme, Delegierter für Tourismus in Tanger, die Zahl der Hotelgäste auf 1,2 Millionen verdreifachen, etwa 70 neue Hotels sind in der Stadt und in der näheren Umgebung entlang der Atlantik- und Mittelmeerküste geplant.

„Mindestens 10.000 neue Arbeitsplätze“, meint Ihdeme. Im Hafen sollen bald Kreuzfahrtsschiffe in See stechen und Yachten vor Anker liegen. Man will an das Tanger der Internationalen Zone (1923–1956) anknüpfen, das damals Zielpunkt so vieler Künstler und Schriftsteller war.

Auf der Dachterrasse von Baron Francisco Corcuera, einem argentinischen Maler, hat man einen guten Blick über Tanger. „Dort ist die Villa von Yves Saint Laurent“, sagte der Baron und zeigt mit dem Finger auf einen kleinen blauen Punkt im Häusermeer.

„Hier vorne das Haus eines deutschen Fotografen, und das hier hinten gehört einem französischem Schriftsteller. Die guten Häuser, von denen man eine fabelhafte Aussicht auf die Meerenge von Gibraltar hat, sind alle weg“, erklärt der Baron. Die Immobilien seien heute unerschwinglich. „Wegen all der Ausländer, die übrigens zu 90 Prozent homosexuell sind.“ Die meisten davon seien in dieselbe Falle getappt, meint er mit einem spöttischen Unterton. „Sie haben einen Freund, der plötzlich heiratet, Kinder bekommt, und dann bezahlen sie für die ganze Familie, was bis ans Lebensende gehen kann.“

Saudis gehen militärisch gegen jemenitische Rebellen vor

Angriffe im Grenzgebiet gegen Schiitenmiliz

Tanger/Sanaa - Immer wieder stiegen dicke Rauchwolken rund um den Gipfel des Jebel al-Dukhan auf. Der 2000 Meter hohe Berg in der Nähe der Stadt Khubah markiert die Grenze zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und der Republik Jemen. Saudische Luftwaffe und Artillerie beschossen Stellungen der Huthi-Rebellen, die angeblich vom Norden des Jemen in saudisches Territorium eingedrungen waren. Nach fünftägigen Kämpfen sei es endlich gelungen, so Prinz Khaled Bin Sultan, der stellvertretende Verteidigungsminister Saudi-Arabiens, das Gebiet von den schiitischen Rebellen wieder zu säubern. Mohammed Abdel-Salam, der Sprecher der Huthis, nannte die saudische Operation "eine ungerechtfertigte Aggression". Gleichzeitig warf man Saudi-Arabien vor, Angriffe auf jemenitischem Staatsgebiet durchgeführt zu haben.

"Wir kümmern uns nur um unser Territorium", entgegnete das saudische Verteidigungsministerium, "und greifen nicht innerhalb des Jemen ein." Nachzuvollziehen wäre es allerdings, wenn Saudi-Arabien der jemenitischen Regierung unter Präsident Ali Abdullah Saleh militärisch zu Hilfe kommen würde, auch auf jemenitischem Territorium. Am 11. August hatte Saleh die Operation "Verbrannte Erde" gestartet. Das vorgegebene Ziel waren die Huthi-Terroristen, die einen Staatsstreich planten und eine schiitische Republik gründen wollten, ein für alle Mal "auszurotten, wo und wie auch immer". Seit 2005 war es immer wieder zu kriegerischen Konflikten zwischen dem Staat und den Huthis im Norden des Landes gekommen. Bisher war jedoch der Aktion der "verbrannten Erde" wenig Erfolg beschieden. Stattdessen hat sie die ökonomische Krise und die politische Instabilität des Landes verstärkt.

Für den Nachbarn Saudi-Arabien, der den Jemen bei seiner Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt hatte, ein Anlass zur Besorgnis. Al-Qaida könnte das Machtvakuum ausnützen und den Jemen "zu einem Schlachtfeld der Dschihadisten und zu einer potenziellen Basis machen", wie es Dennis Blair, der US-Geheimdienstdirektor, bei einer Anhörung des Kongresses in diesem Jahr formulierte. Zum anderen gibt es Befürchtungen, je länger der Konflikt andauert und die Huthis der jemenitischen Armee standhalten, dass der Iran und seine Eliteeinheit der Republikanischen Garden sich entschließen, den schiitischen Rebellen zur Hilfe zu kommen. Gerüchte über eine Unterstützung aus dem Iran gibt es seit dem Beginn der Großoffensive. Vor zwei Wochen wurde dann ein Schiff, das Waffen für die Rebellen geladen hatte, von den jemenitischen Behörden an der Westküste des Landes aufgebracht. Laut Informationsminister Hassan Al-Lawzi habe man Beweise an die Islamische Republik Iran weitergeleitet, die zeigten, dass iranische religiöse Gruppen die Huthis unterstützten. "Die zuständigen Behörden", so Hassan Al-Lawzi, "überprüfen die fünf Besatzungsmitglieder des Schiffs, das in verschiedenen arabischen Häfen Station machte".

Nach dem militärischen Eingreifen Saudi-Arabiens ist der jemenitische Präsident sichtlich zuversichtlich. Am vergangenen Samstag, als es zu schweren Gefechten zwischen saudischen Truppen und Huthis gekommen war, versicherte Ali Abdullah Saleh, der Krieg habe nun erst begonnen. Was sich in den letzten Jahren des Konflikts ereignet habe, sei nur ein Training für die Armee gewesen. Bis heute starben mehrere Tausenden Menschen, und insgesamt rund 150 000 Menschen wurden zu Flüchtlingen. "Nun werde die Armee", so der Präsident weiter, "ihren Angriff so lange weiterführen, bis es mit der tyrannischen, verräterischen Söldnergruppe (der Huthis) zu Ende geht."

Niqab Debate in Egypt: Divided Scholars

Hijab, chador, burqa or niqab? – The veiling of Muslim women continues to provoke controversy. This time it is the niqab, or face veil, at the center of the conflict-charged fundamental debate within the Islamic world. By Alfred Hackensberger

Grand Sheikh Tantawi had banned women from wearing the niqab in parts of the Al-Azhar mosque, saying it had nothing to do with Islam | The bone of contention is none less than the Grand Imam of Cairo University and the Al-Azhar Mosque. Mohammed Sayed al-Tantawi, one of the most senior legal scholars in Sunni Islam, declared that a veil that covers a woman's face leaving only a slit for the eyes is not religiously permissible.

During a visit to one of the schools affiliated to Al-Azhar University early in October, the theologian was irritated by a girl's niqab. He then ordered the baffled girl, who had ironically only worn the veil in honor of the high-ranking visitor, to take it off and never put it on again. "These are traditions that have nothing to do with religion," he explained to the students. At the same time the Imam promised to ban this particular kind of veil from the school grounds.

Reasons of security

A few days later, female students veiled with the niqab were no longer allowed to enter the halls of residence at Al-Azhar University. Those who did not take off their niqab were sent away. The supreme council at the highest seat of religious learning in Sunni Islam had "agreed the ban on the veil," announced Mohamed Abdel-Aziz, deputy chairman of the council. The ban also applies to the girls' classrooms. It affects both teaching staff and the 500,000 girls out of a total of 1.4 million schoolchildren and students who study at the university and its affiliated educational establishments.

The decision was also approved by the Ministry for Higher Education, which announced that it plans to extend the ban to universities across the country. Minister Hany Halal explained the measure would primarily be taken for security reasons. Just recently 15 young men dressed in niqabs tried to enter the girls' dormitories, he said.

"I've been living in a student hall of residence for years," said one female student who wanted to remain anonymous to avoid potential problems with the university administration, "but I've never heard of anything like that happening."

A frightening take on Islam

Asra Q. Nomani says that a security risk is indeed a valid argument. The US author has just published a book titled "Standing Alone: An American Woman's Struggle for the Soul of Islam". But she says such an argument is not based on uninvited male visitors to girls' dormitories. From Islamabad to Baghdad, the niqab has been misused by militant Islamists to avoid police checkpoints or to carry out attacks.

Nomani says however that a much more decisive factor in any move to ban the face veil is "that it stands for a frightening take on Islam, one that preaches the literal interpretation of the Koran." And this is especially problematic in the interpretation of those verses where the meaning is in any case unclear, she adds.

"Militants exploit this to justify domestic violence, intolerance or even suicide attacks," says Nomani. When she talks about "a frightening take on Islam", she is referring to the the schools of thought known as Wahhabism and Salafism, which are based in Saudi Arabia and promote ultra-conservative interpretations of Islam.

There are two sections of the Koran that make this especially clear (Sura 24, verse 31 and Sura 33, verse 59), passages that make references to the covering of the female body. Neither passage can be unequivocally interpreted as an instruction that a woman must wear a head covering, or exactly defines the parts of the body that have to be concealed.

Pieces of clothing are named, such as "jilbab" and "khimar", but it remains unclear what form, color or function they had during the Prophet's era. In a German translation of the Koran commissioned by Saudi Arabia this is not taken into consideration at all, and the word "khimar" is simply translated as "Kopftücher", or "headscarves". One simply has to be aware of the subtleties of meaning can be lost in translation.

"This Wahhabi and Salafi mindset came to Egypt in the 1970s," says Hala Mustafa, editor-in-chief at Al Ahram Media in Cairo. "And it has increased its hold over the last three decades." This is evident on the streets of the capital, with increasing numbers of women covering themselves from head to toe.

"Salafi satellite channels today propagate the message that the niqab is an obligation," explains Salem Abdel Gelil, from the Egyptian Ministry of Religious Endowments, Awqaf.

The government of the Nile nation is not in the least happy about this ultra-conservative trend. The niqab ban at universities is just one of many steps Cairo is taking to counter it. The Ministry of Religious Endowments prints brochures that describe the niqab as un-Islamic. The Health Ministry plans to ban doctors and nurses from wearing the face veil.

Against constitution and freedom

Sumerian temple priestesses wore veils in 5000 B.C. In 1300 B.C., Assyrian kings introduced the veil for married and wealthy women. This is similar to the Byzantines (4th to 5th centuries A.D.), the Sassanids (c. 224-652 A.D.), in Ancient Greece and old Rome, where to be veiled was a privilege reserved for high society.

Grand Sheikh Tantawy based his ban on a constitutional resolution passed in 1996, which allows representatives of the educational system to decide on clothing rules for schools | So the Grand Imam of Al-Azhar University Mohammed Sayed al-Tantawi is absolutely right when he describes the niqab as a tradition from a pre-Islamic era. But this view has not made the theologian – who is known for his headstrong manner – any more popular. He has already come under fire several times for supporting the French ban on the hijab, shaking hands with the Israeli President Shimon Peres, and insisting that women pregnant from rape should have the right to abort.

The conservative Egyptian cleric Youseff al-Badri described the niqab ban as "a violation of a constitution that is there to guarantee public freedom."

The Grand Mufti of Dubai holds a similar view. He spoke of a "restriction of the freedom of women," and said the move was "in total contempt of their faith, their culture and their traditions."

The Saudi Arabian Sheikh Mohammed al-Nojaimi from the Institute of Islamic Law spoke of a possible division of Egyptian society into two camps, for or against the niqab. At the same time, he contradicted his Egyptian counterpart Tantawi's claim that the face veil has nothing to do with Islam: "The niqab is mentioned in reports on the traditions of the Prophet," he said. These state that a woman should only take off her face veil during the pilgrimage to Mecca, as "this goes to prove that she wore it at all other times."

"What are wearers of the niqab supposed to do?"

For devout Muslims who wear the niqab out of conviction, the Egyptian ban is tantamount to a defeat, even if it is restricted to universities. They have become accustomed to the fact that action is taken against the headscarf or veil in western countries. And perhaps also in the few secular countries where most of the population are Muslims, such as in Turkey or Tunisia.

But now the veil, a piece of clothing that has so often had to be defended against criticism, is being declared un-Islamic by members of the Muslim community, and furthermore by one of the most senior legal scholars in Sunni Islam. The result is helplessness.

"What are we supposed to do?" asks Sadaf Farooqi in the Saudi-Gazette newspaper. "What's really unsettling is the swift global impact of this development," writes the columnist, who lives in Karachi. "Within a few days after Mohammed Sayed al-Tantawi's comments, all kinds of groups from Italy to Canada began calling for a ban on the niqab."

Farooqi writes that such groups also include "self-proclaimed progressive Muslims." Of course these feminist Muslims now feel vindicated, after all, they have for a long time described the veil as an antiquated tradition that does not belong to Islam.

"It is high time to impose a global ban on the face veil," writes US author Asra Q. Nomani. "It is the expression of an Islam that must disappear."

For Sadaf Farooqi, who is proud to wear her niqab, this is something she finds difficult to understand. The journalist thanks God that in her country, she is allowed to leave the house in her veil, visit educational establishments and go for a walk without fear of abuse. "A luxury that our Muslim sisters in Britain, France and Canada do not enjoy," she says.

Alfred Hackensberger

© Qantara.de 2009

Translated from the German by Nina Coon