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Es werden Posts vom April, 2014 angezeigt.

Die Kurden wollen weg von Bagdad

Der autoritäre Führungsstil von Iraks Premier al-Maliki und ausbleibende Ölzahlungen nähren den Wunsch nach Autonomie im Norden. Besuch in der boomenden Region Von Alfred Hackensberger, Erbil
Schade, dass man Saddam Hussein aufgehängt hat", sagt Daham, der uns an einem irakischen Grenzübergang zu Syrien abholt. Er ist ein Vertrauensmann, den man braucht, um sicher durch irakisches Gebiet zu kommen, ohne in die Hände radikaler Islamisten zu fallen. "Würde unser Saddam noch regieren, könnten wir ohne Probleme nach Mosul fahren. Stattdessen schneidet man Ihnen heute dort den Kopf ab." Mosul ist ein Zentrum von al-Qaida und des Islamischen Staats im Irak und der Levante (Isil), die dort seit Jahren Schutzgelder für die Finanzierung ihrer Organisationen erpressen. "Glauben Sie mir", fährt Daham fort, "Saddam hätte in kürzester Zeit mit diesen Extremisten aufgeräumt." Viele Iraker würden so denken wie er, versichert der Sunnit am S…

"Wir versprechen dir, dich das nächste Mal zu töten"

Luftangriffe, Fassbomben, Hungersnot: Die Rebellen in der syrischen Stadt Aleppo werden von Assad-Truppen heftig bedrängt. Eine Reise zu den Menschen, die in der Hölle des Bürgerkriegs ausharren. Von Alfred Hackensberger, Aleppo
Es ist ein unangenehmes Gefühl: Ständig kreisen Kampfflugzeuge über der Stadt. Ihr Dröhnen ist laut zu hören. Die Hubschrauber, die Fassbomben abwerfen, fliegen nahezu lautlos in hoher Höhe. Jeden Augenblick kann eine dieser mit Sprengstoff, Benzin und Nägeln gefüllten Bomben niedergehen. Mehrfach passiert man Häuser, die vor wenigen Minuten zerstört worden sind. Verzweifelt suchen Menschen mit bloßen Händen nach Überlebenden und brauchbaren Dingen. Funktionierende Bagger und Raupenfahrzeuge gibt es schon lange nicht mehr in Aleppo. Die Menschen an den Explosionsstellen riskieren ihr Leben, denn seit dem Beginn der Bombenoffensive im Dezember zielt die syrische Luftwaffe nach dem ersten Beschuss oft mit einer weiteren mit Sprengstoff gef…

"Man zwang mich, das Geständnis zu unterschreiben"

Seit 2007 sitzt ein Deutscher türkischer Abstammung in libanesischer Haft. Ein Missverständnis, behauptet Sinasi Ates, der Solidarität von Islamisten erfährt. Für deutsche Behörden ein heikler Fall. Von Alfred Hackensberger
Sinasi Ates aus Goslar sitzt seit sieben Jahren in einem berüchtigten libanesischen Gefängnis, weil er unter Terrorverdacht steht  Bomben detonieren, Mörsergranaten schlagen ein, Schüsse fallen. Es ist Nacht, drei Uhr morgens. Etwa 20 Menschen marschieren durch die Ruinen von Nahr al-Bared, einem palästinensischen Flüchtlingslager an der nordlibanesischen Mittelmeerküste. Plötzlich wird das Feuer auf die in der Dunkelheit nur langsam vorwärts kommende Gruppe eröffnet. Die Menschen flüchten panisch in alle Richtungen. Einer von ihnen ist Sinasi Ates. Er läuft zum Strand und stürzt sich ins Meer. "Ich bin ein guter Schwimmer", erklärt der Deutsche türkischer Abstammung. "Ich blieb im Wasser bis es hell wurde. Nach fünf, sechs St…