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Es werden Posts vom Mai, 2013 angezeigt.

"Amerika wird sich der Faktenlage anpassen"

In einem Interview hat sich Syriens Präsident Baschar al-Assad kompromisslos gegeben. Das syrische Militär lässt Taten folgen und erobert eine strategisch wichtige Stadt von den Rebellen zurück. Von Alfred Hackensberger Foto: AP Baschar al-Assad im Gespräch mit Journalisten derargentinischen Zeitung "Clarín"
Die Hälfte des Landes ist nicht mehr unter seiner Kontrolle, aber Baschar al-Assad ist zuversichtlich. In einem seltenen Interview mit internationalen Medien gab sich der syrische Präsident souverän und denkt auch nach über zwei Jahren Bürgerkrieg nicht an einen Rücktritt. "Ich stehe zu meiner Verantwortung wie ein Kapitän eines Schiffs im Sturm", sagte Assad im Gespräch mit der argentinischen Zeitung "Clarín". "Was würde man über einen Kapitän denken, der in einer Notsituation Schiff und Mannschaft im Stich lässt?" Der Präsident will unter allen Umständen bis zu den Wahlen 2014 im Amt bleiben. Assad machte nicht de…

Wie weit der Krieg in Syrien noch geht

Ein verstörendes Video wirft ein neues Licht auf Syrien. Es zeigt einen Fall von Kannibalismus. Unser Reporter kennt diesen Konflikt. Er sucht im Kriegsgebiet nach einer Erklärung. Von Alfred Hackensberger Bilder des Krieges in Syrien1/6 Foto: REUTERS Leidtragende des Konflikts sind nicht zuletzt die Kinder, wie dieses hier in Aleppo. In der Nähe von Damaskus geriet sogar ein SOS-Kinderdorf zwischen die Fronten.
Gott segne dich! Du zeichnest ihm ja ein Liebesherz auf die Brust", witzelt der Kameramann. Aber zum Lachen ist das knapp eine Minute lange Video nicht. Es ist eines der abscheulichsten Dokumente des seit über zwei Jahren dauernden Bürgerkriegs in Syrien. Ein Rebellenkommandeur schneidet innere Organe aus dem toten Körper eines Regierungssoldaten. "Ich schwöre zu Gott", sagt er in die Kamera, "ihr Hunde von Baschar al-Assad, wir werden von euren Herzen und Lebern essen. Oh, ihr Helden von Baba Amr, ihr werdet die Alawiten schlacht…

Syrien, Hisbollah. Über die neue Dimension des Bürgerkriegs

Von Alfred Hackensberger Der Sarg des Hisbollah-Kämpfers ist in die gelbe Flagge mit dem Kalaschnikow-Emblem gehüllt. Einige hundert Trauergäste marschieren bei der Prozession Anfang Mai. Vorneweg fährt ein Wagen mit grossen Lautsprechern, aus denen Koranverse dröhnen. Ein neues Bild. Noch vor wenigen Wochen wurden Hisbollah-Kämpfer, die im syrischen Bürgerkrieg ihr Leben liessen, in aller Stille beerdigt. Die Geheimniskrämerei fand ein Ende, als Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah im hauseigenen TV-Sender Al-Manar erklärte, die Hisbollah kämpfe ab jetzt an der Seite von Syriens Präsident Bashar Assad. Mit seiner Ankündigung eröffnete der Libanese Nasrallah eine neue Dimension im syrischen Bürgerkrieg, der nun schon zwei Jahre währt. Die Schiitische Hisbollah kämpft nun offiziell Seit an Seit mit dem schiitischen Assad, gegen die sunnitischen Rebellen, unter denen sich viele radikale Islamisten finden. Seitdem ist der Glaubenskrieg in Syrien voll entfacht, er ist zu…

Das angebliche Gift im Blut der syrischen Patienten

Der türkische Premier Erdogan ist sich bereits sicher, dass Syriens Machthaber Chemiewaffen benutzt. US-Außenminister John Kerry sprach von "starken Beweisen" und einer "schrecklichen Wahl". Von Alfred Hackensberger Foto: REUTERS Verwundete Syrer in einem türkischen Krankenhaus Weiterführende Links Rund um die Uhr stehen Notarztwagen an der türkischen Grenze bereit. "Es sind mindestens 40 Verwundete, die jeden Tag zu uns gebracht werden", sagt ein wachhabender türkischer Soldat am Grenzposten von Reyhanli, einem der größten und wichtigsten Übergänge nach Syrien. "Dort herrscht Krieg, und nur bei uns können sie richtig behandelt werden", fügt der Soldat hinzu. Seit letzter Woche wird neuerdings allen aus Syrien ankommenden Patienten eine Blutprobe entnommen. Getestet wird nach Spuren von chemischen Kampfstoffen. Man wolle mit allen erdenklichen Mitteln dabei helfen, so der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu, die Urh…

Del Ponte vergaloppiert sich im syrischen Giftgas

Die prominente UN-Ermittlerin Carla del Ponte verlässt sich auf Aussagen zu C-Waffeneinsätzen und beschuldigt kurzerhand Syriens Rebellen. Ein leichtsinniger Fehltritt auf politisch vermintem Gelände. Von Alfred Hackensberger Foto: dpa Schon als Chefanklägerin des internationalen Tribunals zu Ex-Jugoslawien wusste sie Aufmerksamkeit zu erregen: Carla del Ponte "Wir möchten klar stellen, dass wir keine eindeutigen Resultate zum Einsatz von chemischen Waffen jedweder Konfliktpartei in Syrien haben." Mit einer eiligen Pressemitteilung richtet sich am Montagnachmittag die unabhängige internationale Untersuchungskommission der UN in Sachen Syrien an die Öffentlichkeit. Eine Erklärung, die nötig geworden war, nachdem ein prominentes Mitglied der Kommission behauptet hatte, es gebe stichhaltige Verdachtsmomente – die frühere Chefanklägerin des internationalen Jugoslawien-Tribunals Carla del Ponte. Bisher waren Regimetruppen von Präsident Baschar al-Assad b…

Syriens starke Frauen

Von meinem Kollegen Peter Steinbach, in Aleppo und Antakya
Mehr als 1,2 Millionen Syrer sind bislang vor dem Bürgerkrieg ins Ausland geflohen, meist Frauen und Kinder – die Männer bleiben zurück und kämpfen. Aber viele Frauen wollen ihren Beitrag für ihr Land leisten, an der Front, in Medizin, Bildung oder Wirtschaft. Und manche planen schon für die Zeit danach. Der Konflikt könnte bald in eine entscheidende Phase treten: US-Präsident Barack Obama warnte erneut, mit dem Einsatz von Chemiewaffen überschreite das Assad-Regime eine rote Linie, die USA würden darauf entschieden reagieren. Noch aber wisse er zu wenig, um eine aggressive Aktion der USA anzuordnen.
Sie ist erst 24 Jahre alt, aber erstaunlich erwachsen und selbstbewusst. Als die Rebellen im Juli 2012 einen Teil von Aleppo eroberten, überlegte Muna nicht lange. Die Pharmakologin meldete sich freiwillig im Krankenhaus Dar al-Scharifa. Sie hatte bereits Monate zuvor in geheimen Kliniken Verletzte versor…

Der Krieg der Kurden auf eigene Rechnung

Kurdische Milizen haben die Seite gewechselt und kämpfen jetzt gegen Diktator Assad, Frauen genauso wie Männer. Sie wollen Freiheit aber keinen eigenen Staat. Ein Besuch mitten im Kriegsgeschehen. Von meinem Kollegen Peter Steinbach Foto: Victor BreinerSie kämpfen ohne Kopftuch und völlig gleichberechtigt, sagen sie – die Kurdinnen Amara (19, l.) und Rocan (27) in einer Feuerstellung in Aleppos Stadtteil Scheich Maksud Die Räder drehen durch. Selbst der Jeep tut sich schwer auf der steilen Piste, die ein Regenschauer in tiefem Matsch ertränkt hat. Eile ist geboten, nichts wie raus aus dem offenen Gelände. Schüsse und Mörserfeuer sind zu hören. Nach Scheich Maksud kommt man nur auf Schleichwegen, will man nicht direkt durch die Schusslinie von Scharfschützen der syrischen Regierungstruppen fahren. Endlich hat der Jeep den Hügel geschafft. Nach wenigen Minuten fährt man im Schutz der Häuserwände des größten kurdischen Stadtteils am nördlichen Rand Aleppos. Er ist strategi…

"Syrien wird ein islamischer Staat. Kein Zweifel"

Das Regime kündigt eine Großoffensive an, Kampfjets überfliegen Aleppo. Doch die Rebellen bereiten sich auf ein Leben nach Assad vor – mit der Scharia. Oder mit Wahlen? Eine Reportage von der Front. Von meinem Kollegen Peter Steinbach Foto: REUTERS Mit Waffe im Sessel: Ein Mitglied der Freien Syrischen Armee sitzt auf der zerstörten Straße von Deir al-Zor
Wie einst Prophet Mohammed trägt auch Ali schwarzen Kajal auf den Augenlidern. In der Weste des jungen Rebellen der Freien Syrischen Armee stecken vier volle Magazine. Mit beiden Händen hält er eine Kalaschnikow. Ali ist einer von rund 50 Kämpfern der Amar-Obno-Hachtab-Brigade, die in einer kleinen Fabrikhalle auf ihren Einsatzbefehl warten. "Wir werden gleich losziehen", sagt der 22-Jährige entschlossen, "um eine andere Gruppe abzulösen, die die ganze Nacht gekämpft hat." Drei Pickups brausen plötzlich vorbei, auf deren Ladeflächen sich Kämpfer drängen. "Gott ist groß&q…

Terror mit Ankündigung

Boston, Kanada, Libyen – erleben wir eine neue Offensive von al-Qaida? Zumindest passen die Aktionen in deren Strategie Von Alfred Hackensberger Auch eine Terrororganisation kann ihr Informationsmanagement verbessern. Denn auch wenn sich Attentäter meist erst nach einem Anschlag dazu bekennen, hat al-Qaida schon im Januar auf der Internetseite von Ansar al-Mudschahedin das Terrorprogramm der nächsten Monate und Jahre vorgelegt. Unter der Überschrift "Wo schlägt al-Qaida als Nächstes zu?" werden "harte, weltbewegende, schockierende und Angst verbreitende Anschläge" versprochen. "Mit Gottes Hilfe schlagen wir im Herzen des Unglaubens zu." Als Ziele werden die USA, Dänemark und Frankreich genannt, sowie alle Länder, die sich in irgendeiner Form an der französischen Intervention in Mali beteiligten. "Und andere Orte und Länder, die von al-Qaida zu gegebener Zeit benannt werden." Eine erste bittere Geschmacksprobe der neu…