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"Arabia Felix" steht am Abgrund

Regierung gegen Separatisten: Im Jemen entscheidet sich, ob das islamistische Terrornetzwerk al-Qaida eine neue Basis aufbauen kann Sanaa - "Jemen ist Arabiens unbekannter Edelstein, den es noch zu entdecken gilt", heißt es im Bordmagazin "Yemenia". Das Hochglanzblättchen empfiehlt Bergwanderungen und Trekkingtouren durch die atemberaubende Heimat der legendären Königin von Saba. Aber damit lassen sich keine Abenteuertouristen mehr in den Jemen locken. "Arabia Felix", das altrömische glückliche Arabien, ist selbst für hartgesottene Reisende nach diversen Entführungen ein bisschen Abenteuer zu viel. Im Juni waren zwei deutsche Frauen und eine Koreanerin getötet worden. Der Rest der gekidnappten Touristengruppe, eine fünfköpfige Familie aus Sachsen und ein Brite, werden noch immer vermisst. Zwei Drittel des Jemen stehen nicht unter Regierungskontrolle. Separatisten herrschen dort, lokale Stämme, die al-Qaida nahestehen oder auf eigene Rechnung arbeiten. In d...

King Cool

Vor zehn Jahren wurde Mohammed VI. König von Marokko. Er gilt als reformfreudiger Bürgerkönig. Doch der Weg zu einer liberalen Gesellschaft ist noch weit Zuletzt noch den Marmorboden shampooniert, den schmiedeeisernen Zaun in den Nationalfarben Grün-Rot verkleidet und draußen auf der Straße die Bordsteine neu gestrichen. Die pompösen Festzelte hatte man bereits vor über einer Woche aufgestellt. Wie immer muss zum "Fête du trone", alles perfekt sein, insbesondere zum 10. Jubiläum, das Mohammed VI. heute nicht in der Hauptstadt Rabat, sondern in seinem geliebten Tanger feiert. In einem relativ kleinen Palast im Stadtteil Marshan, von dem man die Meerenge von Gibraltar überblickt. Ganz in Weiß gekleidet, reitet dann der Herrscher der Alawiten auf einem Pferd - begleitet von einem Diener, der ihm einen Sonnenschirm über den Kopf hält - durch die Elite seiner Untertanen: eine Mischung aus islamischen Theologen, Ministern, Abgeordneten und Behördenbediensteten. Sich verbeugend, sch...

King Cool

Vor zehn Jahren wurde Mohammed VI. König von Marokko. Er gilt als reformfreudiger Bürgerkönig. Doch der Weg zu einer liberalen Gesellschaft ist noch weit Zuletzt noch den Marmorboden shampooniert, den schmiedeeisernen Zaun in den Nationalfarben Grün-Rot verkleidet und draußen auf der Straße die Bordsteine neu gestrichen. Die pompösen Festzelte hatte man bereits vor über einer Woche aufgestellt. Wie immer muss zum "Fête du trone", alles perfekt sein, insbesondere zum 10. Jubiläum, das Mohammed VI. heute nicht in der Hauptstadt Rabat, sondern in seinem geliebten Tanger feiert. In einem relativ kleinen Palast im Stadtteil Marshan, von dem man die Meerenge von Gibraltar überblickt. Ganz in Weiß gekleidet, reitet dann der Herrscher der Alawiten auf einem Pferd - begleitet von einem Diener, der ihm einen Sonnenschirm über den Kopf hält - durch die Elite seiner Untertanen: eine Mischung aus islamischen Theologen, Ministern, Abgeordneten und Behördenbediensteten. Sich verbeugend, sch...

Naked Lunch: In Zimmer Nummer neun

Fünfzig Jahre nach der Erstveröffentlichung des Klassikers der Beatgeneration erscheint eine deutsche Neuausgabe. In Tanger, wo William S. Burroughs sein Buch schrieb, ist heute von der damaligen Atmosphäre nicht mehr viel zu spüren. William S. Burroughs würde sich wohl im Grabe umdrehen, bei den Kids, die sich jedes Wochenende im «TangerInn» treffen, bevor sie für den Rest der Nacht in die schicken Clubs am Strand der marokkanischen Hafenstadt verschwinden. Verwöhnte, neureiche Jugendliche: Vom Papa ein Auto zum Geburtstag, das Frühstück vom Hausmädchen und teure Privatschule sind die Eckpfeiler ihrer Welt. Dass einige von ihnen auf der Toilette der Bar Koks schnupfen, wäre da für Burroughs wenig tröstlich. Eher schon die Stricher unter den Gäs­ten, die mit ihrem unverwechselbar unschuldigen, breiten Lächeln nach europäischer Kundschaft Ausschau halten. Ein Stück homosexueller Dissidenz in einem Heer von heterosexueller Mittelmässigkeit. Aber auch diese jungen Männer wüssten nicht, we...

Wie die Finanzkrise dem Koran hilft

Der Ruf nach schariagerechtem Islamic Banking in der arabischen Welt wird durch den Kollaps der Märkte lauter Ob Rocksänger Rod Stewart, Fußballstar David Beckham oder das Baywatch-Busenwunder Pamela Anderson - wer etwas auf sich hielt und die nötigen Millionen hatte, kaufte sich in Dubai ein luxuriöses Heim. Wie in keinem anderen Land prosperiert am persischen Golf der Baumarkt, den architektonischen Fantasien waren kaum Grenzen gesetzt. Mit der internationalen Finanzkrise ist es damit nun erst einmal vorbei. Mehr als die Hälfte aller Bauvorhaben (Gesamtwert: 582 Milliarden Dollar) sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingefroren. Auch die Nachbarländer traf die Krise hart. Die Börse von Kuwait fiel um 57 Prozent im Vergleich zum Juni 2008. Insgesamt sollen Investoren aus der Golfregion rund 2,5 Billionen Dollar verloren haben, schätzt die Union der Arabischen Wirtschaftskammer. Für Nasser Saidi vom Internationalen Finanzzentrum in Dubai ist dies die perfekte Gelegenheit, islam...

Geheime Mission: Weltrevolution

Von Bahrain über Marokko bis nach Nigeria - die islamische Welt fürchtet eine schiitische Infiltration durch den Iran Brennende Autoreifen, Maskierte, die Steine und Molotowcocktails auf Polizisten werfen: Eine Straßenkampfszene, die man aus Berlin oder London kennt, aber nicht aus einem reichen Ölland wie Bahrain. Seit Wochen kommt der kleine Golfstaat nicht mehr zur Ruhe, nachdem die Polizei vergangenen Monat 23 Oppositionelle, darunter auch populäre schiitische Geistliche, verhaftete. "Nein zur Unterdrückung der Freiheit", fordert in der Hauptstadt Manama ein Graffito, das schiitische Demonstranten an einer Wand hinterließen. Sie fühlen sich von der sunnitischen Elite des Landes diskriminiert, obwohl Schiiten 70 Prozent der Bevölkerung der insgesamt 530 000 Bahrainer ausmachen. Gewalttätige Proteste und Forderung nach Gleichberechtigung sind für die ansonsten ruhige Golfregion neu und lösten bei arabischen Staatsmännern Alarm aus. Insbesondere nach den Bemerkungen von Ali ...

Endstation Mittelmeer

Die Katastrophe vor Libyen wird dem Flüchtlingsstrom nach Europa kein Ende setzen. Beim internationalen Menschenschmuggel spielt Staatschef al-Gaddafi eine Schlüsselrolle Es sollte eine Fahrt in eine goldene Zukunft werden. Dicht gedrängt saßen rund 350 Menschen hoffnungsvoll in einem Fischerboot, mit dem sie die 1770 Kilometer bis nach Europa auf der anderen Seite des Mittelmeers zurücklegen wollten. Aber das Holzboot, eigentlich nur für 75 Passagiere zugelassen, hatte ein Leck und sank sehr schnell bei stürmischem Wetter. Nur 21 Menschen konnten gerettet werden. Die Insassen der anderen drei Boote, die ebenfalls am vergangenen Wochenende von der libyschen Küste aus in See stachen, hatten mehr Glück. Eines wurde nach einem Maschinenschaden von der libyschen Küstenwache aufgebracht, die beiden anderen schafften es nach Italien und Malta. 77 Tote wurden aus dem Wasser gefischt oder an den Strand gespült. Sie kamen aus Somalia, Nigeria, Eritrea, Algerien, Marokko, Palästina und Tunesien....