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Die Hölle von Ost-Ghuta

Von Alfred Hackensberger, Pavel Lokshin, Manbidsch (Syrien), Moskau

Syriens Diktator Assad lässt die Rebellenhochburg Ost-Ghuta nahe Damaskus heftig bombardieren, das Regime will das Gebiet um jeden Preis erobern. Moskau hilft – und testet dabei seine neuesten Waffen unter Kampfbedingungen.

Für das syrische Regime geht es um alles, es will endgültig die letzte Bastion der Opposition in Damaskus erobern. Ost-Ghuta am Rande der Hauptstadt ist für deren Bewohner seit Jahren ein Sicherheitsrisiko: Von Ghuta aus waren immer wieder Wohngebiete und Regierungsgebäude beschossen worden, selbst der Präsidentenpalast von Baschar al-Assad ist nur wenige Kilometer entfernt.
In den vergangenen Wochen wurden Truppen für den alles entscheidenden Angriff zusammengezogen. Nun wird rigoros bombardiert und das Gebiet mit Artillerie beschossen, um die Bodenoffensive vorzubereiten. Ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.
In Ost-Ghuta kämpfen überwiegend Extremisten, vor allem Hayat Tahrir al-Scham, der syrische Al-Qaida-Ableger, und Ahrar al-Scham. Die salafistische Organisation wird von der Türkei unterstützt und kämpft auch für sie in Afrin gegen die Kurden. Unter den schätzungsweise 400.000 Zivilisten in Ost-Ghuta sind auch Angehörige der mehreren Tausend Kämpfer. Der Rest konnte sich eine Flucht nicht leisten oder hatte Angst, vom Regime verhaftet und in einen Folterkeller geworfen zu werden.
Das Regime wiederholt die Taktik von Aleppo: Die Rebellen zur Aufgabe und zum Abziehen zwingen, wahrscheinlich in die Provinz Idlib. Aus der nordsyrischen Metropole waren die Rebellen abgezogen, als sie chancenlos eingekesselt waren. Idlib ist das letzte große Gebiet unter Kontrolle der Opposition, das Sagen hat dort Hayat Tahrir al-Sham.
Und während Assad Ostghuta bombardieren lässt, verstärkt die russische Armee ihre Präsenz in Syrien – obwohl Wladimir Putin vor etwas mehr als acht Wochen den Abzug der Truppen ankündigte. Wie das Recherchekollektiv Conflict Intelligence Team berichtet, sind in den vergangenen Tagen vier Kampfjets vom Typ Su-35 in Hmeimim gelandet, der russischen Luftwaffenbasis im Nordwesten Syriens, nahe der Hafenstadt Latakia. Auch Russlands modernste Kampfjets der fünften Generation vom Typ Su-57 sollen in Syrien gesichtet worden sein. Zwei Kampfflugzeuge dieser Bauart waren in einem Video zu sehen, das in der Nähe von Hmeimim aufgenommen worden sein soll.
Vor zwei Wochen hieß es aus dem russischen Verteidigungsministerium, man wolle die ersten Su-57, die Anfang des Jahres an die Luftwaffe ausgeliefert wurden, unter simulierten Kampfbedingungen erproben. Eine Quelle im Moskauer Verteidigungsministerium bestätigte dem russischen Wirtschaftsportal RBC die Präsenz von Su-57 in Syrien. Das sei die Antwort Russlands auf den Einsatz amerikanischer Tarnkappen-Kampfjets vom Typ F-22 und F-35 in Syrien.
Die Russen könnten also während der Offensive Assads in Ost-Ghuta ihre modernsten Flugzeuge testen – wie zuvor schon 160 andere russische Waffen und Rüstungssysteme, von Maschinenpistolen bis zum neuartigen Marschflugkörper Kalibr, die in Syrien erstmals zum Kampfeinsatz kamen. Russische und internationale Rüstungsexperten bezeichnen Syrien längst als Versuchsgelände für Moskaus neue Waffen.

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