Direkt zum Hauptbereich

Hisbollah trommelt Kämpfer gegen Israel zusammen

An den Checkpoints der libanesischen Hisbollah-Miliz stehen plötzlich nur noch Teenager. Alle älteren Kämpfer habe ihren Posten verlassen, um für Baschar al-Assad zu kämpfen – und gegen Israel. Von

Ein Hisbollah-Kämpfer im Süden Libanons: Die Organisation gilt als gut bewaffnet
Foto: AP Ein Hisbollah-Kämpfer im Süden Libanons: Die Organisation gilt als gut bewaffnet

Die großen, breitschultrigen Männer sind von den Checkpoints verschwunden. Bewaffnete Teenager haben nun die Aufgabe übernommen, Fahrzeuge und Passagiere an den Zufahrtsstraßen zur Dahieh zu kontrollieren. Sie sollen weitere Anschläge verhindern. Zwei Autobomben hatten in den letzten drei Monaten in den schiitischen Wohngebieten im Süden Beiruts über 20 Menschen getötet und Hunderte verwundet.
Dahieh gilt als Hochburg der Hisbollah, die wegen ihrer militärischen Unterstützung der Regimetruppen Präsident Bashar al-Assads im Fadenkreuz der syrischen Opposition steht. Die europäische Union setzte im Juli den militärischen Arm der Partei Gottes, die vom Iran finanziell und militärisch unterstützt wird, auf ihre Liste von Terrororganisationen.
In anderen schiitischen Städten und Dörfern des Libanons wurden ähnliche Beobachtungen gemacht. In den letzten fünf Tagen sollen auch dort Hisbollah-Kämpfer ihre üblichen Posten verlassen haben. Bewohner in Tyrus, der Hafenstadt am Mittelmeer im Süden des Landes, sprachen von einer Generalmobilmachung der Miliz. In Baalbek, einer Stadt im nördlichen Bekaa-Tal, wurde behauptet, selbst Kanoniere seinen verschwunden. "Sie mussten ihre Handys ausschalten, um sie nicht aufspüren zu können."

Unterirdische Hisbollah-Tunnelsysteme

Im Süd- und Nordlibanon werden unterirdische Tunnelsysteme der Hisbollah vermutet – mit Bunkern, Waffenlagern und mobilen Raketenabschussbasen. Insgesamt soll Hisbollah zwischen 40.000 und 50.000 Raketen besitzen. Die meisten davon sind Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Nur ein Teil des Arsenals hat eine längere Reichweite (100 bis 400 km).
Israel und die USA glauben, Hisbollah habe sogar einige Scud-Raketen. Vermutet wird auch ein modernes Luftabwehrsystem, mit dem Kampfflugzeuge abgeschossen werden können.
Hisbollah hat gedroht, sollte ein US-Militäreinsatz in Syrien das Ziel eines Regimewechsels haben, würden Vergeltungsschläge gegen Israel ausgeführt. Obwohl Israel mit Iron Dome ein neues effizientes Raketenabwehrsystem hat, wäre ein Hisbollah-Angriff ein Desaster. Ihre Raketen können jede israelische Stadt beschießen.

Hat Assad "die Nerven verloren" – und warum?

Die libanesische Tageszeitung "al-Akhbar", die gute Beziehungen zur Partei Gottes und zum syrischen Regime besitzt, meldete: "Der islamische Widerstand hat alle seine Offiziere und Soldaten aufgefordert, ihre Positionen für den Ernstfall einzunehmen."
Als Verbündeter von Assad, der mit der syrischen Armee in Homs, Aleppo und Damaskus kämpft, ist Hisbollah ein legitimes Ziel der USA. Zumal die Partei Gottes vom Chemieangriff der Regierungstruppen informiert war. Das geht aus dem Bericht des Präsidenten des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) hervor.
Gerhard Schindler behauptete, man habe ein Telefonat zwischen einem hochrangigen Hisbollah-Funktionär und einem Mitglied der iranischen Botschaft in Beirut abgehört. Darin habe der Mann der libanesischen Miliz den Giftgaseinsatz des Regimes eingeräumt. Assad seien die Nerven durchgegangen und habe mit dem Einsatzbefehl einen großen Fehler begangen.
Das abgehörte Gespräch könnte ein weiteres, wichtiges Indiz in der Beweiskette gegen den syrischen Präsidenten und seinen Militärapparat werden. Obwohl nicht klar ist, warum Assad die "Nerven verloren haben" soll. Seine Truppen befanden sich in Damaskus gegen die Rebellen auf dem Vormarsch und hatten Erfolge wie nie zuvor.

Vernichtender Gegenschlag zu erwarten

Vom Libanon aus will Hisbollah keine Vergeltungsangriffe starten. Man würde dort nicht seine taktischen und strategischen Raketenrampen benutzen, versicherte ein Hisbollah-Offizier der kuwaitischen Tageszeitung al-Rai: "Wir kontrollieren viele Kilometer im Umkreis von Homs und zögern nicht an einem Angriff teilzunehmen, in dem wir Boden-zu-Boden-Raketen abschießen."
Für diese Möglichkeit sprechen Berichte, die syrische Armee habe gemeinsam mit Hisbollah eine neue Kommandozentrale für einen Raketeneinsatz eingerichtet. Diese Zentrale soll direkt mit alleine Einheiten von syrischen Raketenbasen verbunden sein.
In Israel weiß man um die eigene militärische Stärke. Aber israelische Zeitungen haben mit Recht besorgt auf die umfangreiche Zahl von Scud-D-Raketen sowie von Geschossen russischer und chinesischer Bauart mit mehreren hundert Kilometern Reichweite verwiesen. Sie können jederzeit landesweit in Israel einschlagen.
Mit Sicherheit wird ein Angriff aus Syrien auf den jüdischen Staat mit einem vernichtenden Gegenschlag beantwortet. Für Hisbollah stellt sich die Frage, ob die israelische Luftwaffe ihre Vergeltung auch auf den Libanon ausweitet und ob möglicherweise eine neue Bodeninvasion bevorsteht. Die libanesische Miliz ist abgetaucht und scheint die letzten Vorbereitungen, wie üblich für alle erdenklichen Szenarios, zu treffen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Christoph Luxenberg - Interview/ English

The Virgins and the Grapes: the Christian Origins of the Koran
A German scholar of ancient languages takes a new look at the sacred
book of Islam. He maintains that it was created by Syro-Aramaic
speaking Christians, in order to evangelize the Arabs. And he
translates it in a new way by Sandro Magister

That Aramaic was the lingua franca of a vast area
of the ancient Middle East is a notion that is by now
amply noted by a vast public, thanks to Mel Gibson’s
film “The Passion of the Christ,” which everyone watches
in that language.
But that Syro-Aramaic was also the root of the Koran,
and of the Koran of a primitive Christian system, is a
more specialized notion, an almost clandestine one. And
it’s more than a little dangerous. The author of the

Marrakesch, die neue Metropole für billigen Sex

Marrakesch ist zu einem Zentrum des internationalen Sextourismus geworden. Gerade aus den arabischen Ländern am Golf kommen immer mehr Besucher auf der Suche nach schnellem Sex. Im Visier sind dabei nicht nur Frauen, sondern auch junge Männer – und das, obwohl Homosexualität in Marokko gesetzlich verboten ist.

Nach Marrakesch kommen immer mehr Touristen auf der Suche nach billigem Sex. Begehrt sind dabei nicht nur junge Frauen

In einem luxuriösen Appartement in Marrakesch tanzen nackte Mädchen bis in den frühen Morgen. Danach wälzen sie sich zum Amüsement ihrer Kunden über den Fußboden, auf dem Geldscheine ausgestreut sind. Was an den verschwitzten Körpern der Frauen hängen bleibt, ist ihre Entlohnung für die Nacht, die nun erst richtig beginnt. „Dann kommt der Sex“, erklärt Fatima, eine 21-jährige Prostituierte, die sich mit ihrer Freundin Naima auf Kunden aus den arabischen Ländern am Golf spezialisiert hat. „Das ist zwar manchmal wie Sklaverei, dafür zahlen sie aber besser als ander…

Nirgend Zuhause: Leben in Marokko

Seit acht Jahren wohne ich in der marokkanischen Hafenstadt Tanger, unterbrochen von zwei Jahren in Beirut, der Hauptstadt des Libanons. Für viele lebe ich in der Höhle des Löwen, geht man von gängigen Vorurteilen über den Islam aus, der gewalttätig, diktatorisch, unmenschlich und was weiß ich noch alles sein soll. In meiner näheren Umgebung gibt es drei Moscheen, deren Muezzins fünfmal am Tag, selbstverständlich auch frühmorgens, zum Gebet rufen. Vielleicht sollte ich mich über den nächtlichen Lärm einmal beschweren oder auch über ein zu hohes Minarett, wie es in Deutschland bei Moscheenneubauten gemacht wird. Aber ich bin, ehrlich gesagt, noch nie auf den Gedanken gekommen. Ich fühlte mich von den Menschenansammlungen beim Freitagsgebet weder gestört noch eingeschüchtert. Im Gegenteil, die Moscheenbesucher, frisch herausgeputzt und in Festtagskleidung, machen stets einen gelassenen, zufriedenen Eindruck. Nach dem Gebet gehen sie nach Hause zum Mittagessen mit der Familie, nicht ande…