Mittwoch, 20. Februar 2013

Tunesiens Angst vor einer zweiten Revolution

Zwei Wochen lang versuchte Tunesiens Premier Hamadi Dschebali, ein neues parteiloses Kabinett zu bilden. Doch ausgerechnet die eigene Partei, die islamistische Ennahda, entzieht ihm die Unterstützung. Von



Ennahda-Anhänger demonstrieren nach dem Rücktritt Dschebalis in Tunis
Foto: dpa Ennahda-Anhänger demonstrieren nach dem Rücktritt Dschebalis in Tunis
Die Pressekonferenz wurde live im Fernsehen übertragen. "Meine Initiative blieb erfolglos", verkündete der tunesische Premierminister Hamadi Dschebali. "Wie versprochen; trete ich nun als Regierungschef zurück." Seit knapp zwei Wochen hatte der 63-Jährige versucht, ein neues parteiloses Kabinett zu bilden. "Unpolitisch und von jeder Ideologie unabhängig" wünschte es sich Dschebali. Die Opposition begrüßte das Vorhaben. Aber ausgerechnet die eigene Partei entzog dem Premier die Unterstützung.
Die islamistische Ennahda behauptete, sie sei nicht konsultiert worden. Zehntausende von Parteianhängern demonstrierten im Zentrum von Tunis. "Dschebali ist zwar stellvertretender Generalsekretär unserer Partei", sagt Nabil, ein junger Student mit einer tunesischen Flagge in der Hand. "Gerade jetzt in der Krise braucht das Land keine Technokraten, sondern eine klare Führung."

Der scheidende Premier könnte auch der nächste Premier sein: Hamadi Dschebali
Foto: REUTERS Der scheidende Premier könnte auch der nächste Premier sein: Hamadi Dschebali
Am 6. Februar war der Oppositionspolitiker Schukri Belaid vor seinem Haus in Tunis von Unbekannten mit vier Schüssen niedergestreckt worden. Seine Ermordung löste landesweite Proteste aus. Die Gewerkschaften erklärten einen Generalstreik. Der Ärger richtet sich hauptsächlich gegen Ennhada. Belaid war bekannt für seine harsche Kritik an der Regierungspartei. Der 48-jährige hatte die zunehmende Gewalt angeprangert, die von den Islamisten ausginge. "Mörder, Mörder" skandierten die Protestierenden und meinten damit Ennhada-Führer Raschid Ghanuschi. Mindestens fünf Ennahda-Büros wurden in Brand gesteckt.

Bundesregierung beobachtet Lage aufmerksam

Im Oktober 2011, neun Monate nach dem Sturz des Diktators Sine al-Abidin Bin Ali, hatten die Islamisten die ersten freien Wahlen gewonnen. Damals verbreiteten sie das Image einer moderat islamistischen Partei. Doch Ennahda-Gründer Ghanuschi unterhält gute Kontakte zu radikalen Salafisten. Bei einem Treffen, das gefilmt wurde, verspricht der den Extremisten, "eure Zeit wird kommen." Es sind Salafisten, die Journalisten, Politiker und Künstler gewaltsam attackieren.
Die Bildung einer technokratischen Regierung war der Versuch einer Schadensbegrenzung. Dschebali hätte seine angeschlagene Partei aus der Regierungsverantwortung und damit zum Teil auch aus der Schusslinie der Öffentlichkeit gebracht. Mit seinem Rücktritt will er nach eigenem Bekunden "der enttäuschten Bevölkerung Vertrauen wiedergeben". Doch das fehlt der tunesischen Politik insgesamt. Bisher konnten sich die Parteien nicht einmal auf einen Termin für die ersten freien Parlamentswahlen einigen. Ebenso wenig existiert ein tragfähiger Entwurf für die neue Verfassung. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich rapide.
"Die Bundesregierung beobachtet die Lage in Tunesien in diesen kritischen Tagen sehr aufmerksam", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Dschebalis Schritt verdiene "Respekt".
Der ehemalige Premierminister könnte auch wieder der neue sein. Er scheint die einzige Integrationsfigur aus den Reihen von Ennahda zu sein, die einen Kompromiss mit der Opposition zustande bringen kann. Doch Dschebali will nur erneut Premier werden, wenn ein Termin für Parlamentswahlen und ein Verfassungsentwurfs vorlägen. Sonst drohe Chaos.
Nach der Ermordung Belaids forderten dessen Anhänger eine "zweite Revolution". So friedlich wie die "Jasminrevolution" 2011 würde diese nicht verlaufen. Einige der Salafisten sind bewaffnet und in Trainingslagern militärisch ausgebildet. Sie werden versuchen, jedes Machtvakuum für sich zu nutzen.

Montag, 18. Februar 2013

Aus dem Frühling ist arabischer Winter geworden

Vor zwei Jahren läuteten erste Proteste das Ende Gaddafis in Libyen ein. Es folgten revolutionäre Umwälzungen in der gesamten Region. Die Bilanz dieser "Arabellion" ist aber durchweg ernüchternd. Von Dietrich Alexander

In Tunesien, dem bisherigen Musterland des "arabischen Frühlings" hatten friedliche Proteste Diktator Zine al-Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011 zur Flucht nach Saudi-Arabien gezwungen. Die Selbstverbrennung des Universitätsabsolventen Mohammad Bouazizi, der sich als Obstverkäufer in Sidi Bouzid durchs Leben schlug, gilt als Auslöser der Jasminrevolution – und aller folgenden Volksaufstände. Doch mit dem Mord an dem Oppositionspolitiker Schokri Belaid am 6. Februar ist die friedliche Reputation der Jasminrevolte in Gefahr.
Seither ist kein Tag ohne gewalttätige Auseinandersetzungen vergangen. Der Tod des Anwalts und Menschenrechtsaktivisten, der die regierende Partei Ennahda harsch kritisiert hatte, löste einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Konflikt aus. Seit die Islamisten im Oktober 2011 mehr als 40 Prozent der Sitze in der Verfassunggebenden Versammlung gewannen, ist das Land gespalten.
"Es gibt einen säkularen Teil, der verhindern will, dass Ennahda Tunesien in einen islamistischen Staat verwandelt", sagt die TV-Journalistin Moufida Abbasi. "Wir haben von Anfang an vor Ennahda gewarnt, wurden aber als Verschwörungstheoretiker verunglimpft." Ennahda hatte sich ein moderates islamisches Image gegeben.
Nun stellte sich heraus, dass die Partei enge Beziehungen zu radikalen Salafisten und deren Milizen unterhält. Sie überfallen kritische Politiker, Journalisten, Künstler und greifen Treffen der Opposition an. Salafisten haben in den letzten Tagen Patrouillen aufgestellt, die in Sfax, Kef, Mateur und einigen Stadtteilen von Tunis mit Baseballschlägern für Ruhe und Ordnung sorgen. Premierminister Hamadi Dschebali will eine neue Übergangsregierung von "Technokraten" bilden, um der Krise zu begegnen. Das neue Kabinett soll Neuwahlen und eine Verfassung vorbereiten.

Ägypten: Der Fall Mursi

In den vergangenen Wochen starben bei Unruhen in Ägypten mehr als 50 Menschen. Das Land am Nil kommt nicht zur Ruhe, obwohl Präsident Husni Mubarak bereits am 11. Februar 2011 zurückgetreten ist. Fast 30 Jahre lang hatte der Autokrat Ägypten mit harter Hand geführt. Seit dem 30. Juni 2012 ist nun Mohammed Mursi neues Staatsoberhaupt.
Die Ägypter hatten allerdings kaum eine Wahl. Mursis Gegenkandidat war Ahmed Schafik, letzter Premier unter Mubarak. Einen Vertreter des alten, repressiven Regimes, das man gerade mit Mühe und Not losgeworden war, wollte kaum jemand als Vertreter eines neuen, demokratischen Staates.
Noch immer aber ist die ägyptische Gesellschaft ebenso gespalten wie die tunesische. In beiden Ländern demonstrierten vor allem säkulare Kräfte gegen die Diktatoren, während Islamisten sich lange zurückhielten. Vereint waren Liberale, Sozialdemokraten, Sozialisten und auch Konservative, die für eine Trennung von Staat und Religion eintraten.
"Wir haben die Revolution gewonnen", behaupteten tunesische wie ägyptische Jugendliche. Doch nicht sie, sondern die Islamisten gewannen in beiden Ländern die Wahlen. Als Präsident Mursi am 8.Dezember 2012 seine Amtsbefugnisse ausweitete und sich der Judikative entzog, war der Sturm der Entrüstung groß. "Verrat an den Zielen der Revolution", wurde dem Parteigänger der Muslimbruderschaft vorgeworfen.
Vor dem Präsidentenpalast in Kairo kommt es fast täglich zu Protesten. An den Wänden finden sich Parolen, mit denen man den verhassten Mubarak vertrieben hatte: "Hau ab!" oder "Nieder mit dem Regime". Was Demonstranten meist vergessen: Mursi vertritt die Mehrheit der Bevölkerung, und die ist fromm und nicht säkular. Mursi macht Politik, ist aber wohl auch auf einer religiösen Mission.

Jemen: Eine schwere Last

Mehr als drei Jahrzehnte war Ali Abdullah Saleh im Amt. Bei jeder Präsidentenwahl erreichte er mindestens 90 Prozent der Stimmen. Die Demonstrationen gegen ihn und sein Regime begannen zeitgleich mit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten. Arbeitslosigkeit, miserabler Lebensstandard und Korruption trieben die Menschen im Januar 2011 auf die Straße in der Hauptstadt Sanaa. Tausende Soldaten desertierten, Regierungsbeamte verließen ihre Arbeit.
Gegen die Demonstranten ließ Saleh mit Gewalt vorgehen. Am 18.März wurden 45 Menschen von Sicherheitskräften getötet. Im Gegensatz zu seinen diktatorischen Amtskollegen in Tunesien und Ägypten ließ sich Saleh viel Zeit mit seiner Abdankung. Für seinen Rücktritt im Februar 2012 wurde Saleh vollkommene Immunität zugesichert. Die Straffreiheit löst noch heute vehemente Proteste aus. "Das Volk will seinen Mörder vor Gericht stellen", fordern Demonstranten bis heute.
Nun heißt der Präsident Abdrabu Mansur Hadi. Er wurde ganz im Stil seines Vorgängers gewählt. Es gab nur einen Stimmzettel mit seinem Namen darauf und einem Ja-Kästchen. Bei einer Wahlbeteiligung von 65 Prozent bekam Hadi 99,8 Prozent der Stimmen.
Ein Wechsel in der Machtstruktur, die Verbesserung der Lebensbedingungen und Bekämpfung der Korruption sind schwierige Unterfangen in einer Stammesgesellschaft. Die Elite des Jemen wurde nie zur Rechenschaft gezogen. Für al-Qaida bleibt der Jemen ein sicheres Rückzugsgebiet, aus dem man Terror exportiert. Islamistische Kommandeure sollen mit finanzieller Hilfe Saudi-Arabiens und Katars mehr als 5000 Jemeniten via Istanbul nach Syrien in den Kampf gegen Assad geschickt haben. Im Oktober gab es vier Flüge pro Woche von Sanaa in die Türkei – alle waren ausgebucht.

Libyen: Tages des Zorns

Die Grenzen nach Tunesien und Ägypten sind geschlossen. Die libyschen Behörden befürchten, die Unruhen in den beiden Nachbarländern könnten übergreifen. Dabei hat Libyen selbst genug Probleme. Die libysche Regierung hat 1200 zusätzliche Straßensperren im ganzen Land errichten lassen. Demonstrationen sind vor und am zweiten Jahrestag der Revolution kommenden Sonntag untersagt. Man braucht eine "besondere Genehmigung", bestätigte Vize-Innenminister Omar al-Khadrawi, "um friedlich zu protestieren".
Ausgerechnet an einem Tag, auf den man so stolz ist, herrscht Angst. Vor zwei Jahren, am 17. Februar 2011, hatten aufgebrachte Bürger zum Tag des Zorns aufgerufen. Acht Monate später wurde Muammar al-Gaddafi in einer Abwasserröhre in seiner Geburtsstadt Sirte gefunden und getötet.
In der Hauptstadt Tripolis waren im Vorfeld des Jahrestags Flugblätter aufgetaucht, die zu einer "zweiten Revolution" und zum "Sturz des neuen Regimes" aufgefordert hatten. Dahinter werden "Kräfte des alten Regimes" vermutet. Für Innenminister al-Khadrawi sind das "Indikatoren, die Chaos und Gewalt bedeuten". In Libyen kann das verheerende Folgen haben. Hunderte Milizen sind noch immer bewaffnet. Straßenkämpfe könnten jederzeit eskalieren, die große allgemeine Unzufriedenheit könnte sich entladen.
"Die Preise steigen ständig, die Milizen machen, was sie wollen, und Korruption ist weit verbreitet", meint ein Anwalt aus Tripolis. "Der Staat hat keinerlei Autorität." Besondere Gefahr gehe von radikalen Islamisten aus. Bengasi und die rund 300 Kilometer entfernte Stadt Derna sind Zentren dieser zum Teil al-Qaida nahestehenden Gruppen.
Dort unterhalten sie Trainingscamps. Der Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September vergangenen Jahres soll auf das Konto einer dieser extremistischen Gruppen gehen. Am Jahrestag will die Bevölkerung von Bengasi erneut gegen die Islamisten protestieren. Sie könnten es als Anlass nehmen, um mit rivalisierenden Milizen abzurechnen.

Bahrain: Der Vorhof Riads

Die Revolution in der kleinen Ölmonarchie Bahrain, diesem inselartigen Anhängsel der Arabischen Halbinsel von der Größe Hamburgs und mit 1,3 Millionen Einwohnern, muss als unvollendet, ja im Keim erstickt bezeichnet werden. Als im Februar 2011 Proteste gegen die sunnitische Regierung ausbrachen, reagierte die Regierung brutal und ließ die Armee gegen die schiitische Bevölkerungsmehrheit vorgehen.
Der große sunnitisch-wahhabitische Nachbar Saudi-Arabien half mit Material und Truppen, um in seinem Vorhof keine womöglich ansteckende Epidemie freiheitlich-demokratisch denkender Untertanen ausbrechen zu lassen. Einer internationalen Untersuchungskommission zufolge kamen damals 35 Menschen ums Leben. Fünf von ihnen seien zu Tode gefoltert worden. Die Opposition spricht von mehr als 80 Toten.
Bis heute gehen oppositionelle Gruppen fast täglich auf die Straße und fordern Wahlen sowie die Umwandlung des Königreiches in eine konstitutionelle Monarchie. Gerade aufgenommene Versöhnungsgespräche zwischen der Regierung und der Opposition werden belastet, weil just am zweiten Jahrestag des Volksaufstandes (14. Februar 2011) ein Jugendlicher von Sicherheitskräften erschossen worden war.
Der Schiit sei im Dorf Dija nahe der Hauptstadt Manama getötet worden, berichtete die größte Oppositionsgruppe Wefak auf ihrer Internetseite. Im kommenden Jahr soll es Wahlen in dem Inselstaat geben, die von der Opposition als "Ornament der Macht" bezeichnet und boykottiert werden. König Hamad Bin Isa al-Chalifa ist ein wichtiger westlicher Verbündeter, in seinem Land ist die Fünfte US-Flotte stationiert, um die wichtige Straße von Hormus für den Öl-Welthandel offen zu halten. Die Opposition fordert mehr westliche Hilfe zur Demokratisierung.

Samstag, 9. Februar 2013

"Die Salafisten üben den Krieg in Sporthallen"

Der Mord am säkulären Oppositionspolitiker Belaid hat Tunesien erschüttert. Das Musterland des Arabischen Frühlings droht im Chaos zu versinken. Schuld daran sind Islamisten. Doch es gibt Widerstand. Von

Eine Frau hält das Foto des ermordeten Oppositionspolitiker Chokri Belaid hoch. Er soll auf einem Friedhof nahe der Hauptstadt Tunis bestattet werden. Die Soldaten stehen dort Wache – aus Angst vor neuen Ausschreitungen
Foto: AFP Eine Frau hält das Foto des ermordeten Oppositionspolitiker Chokri Belaid hoch. Er soll auf einem Friedhof nahe der Hauptstadt Tunis bestattet werden. Die Soldaten stehen dort Wache – aus Angst vor neuen Ausschreitungen
Der Sarg war in eine tunesische Nationalflagge gehüllt. Auf dem roten Halbmond mit Stern lagen Blumensträuße. "Der Kampf geht weiter", riefen Familienangehörige, Politikerkollegen und Anwälte in schwarzen Roben vor dem Haus des Toten im Stadtteil Dschebel al-Dschaloud von Tunis.
Die Sargträger hatten Mühe sich den Weg durch die Menge zu bahnen. Tausende von Menschen warteten in den umliegenden Straßen, um Schokri Belaid das letzte Geleit zu geben. Der 48-jährige Oppositionspolitiker war am vergangenen Mittwoch von Unbekannten mit vier Schüssen getötet worden. Belaids schonungslose Kritik an der Regierung und an der das Kabinett dominierende Ennahda-Partei hatte ihn populär und beliebt gemacht.

Seine Ermordung löste eine Welle des Protests aus. Mehr als ein Dutzend Parteibüros von Ennahda wurden angezündet. "Mörder, Mörder", rufen die Teilnehmer der Beerdigung und nennen dabei den Namen von Raschid Ghannouchi, dem Führer von Ennahda.

Viele Frauen sind gekommen

Viele Frauen sind gekommen, was sonst bei Trauerzügen nicht der Fall ist. "Wir werden das nicht hinnehmen", sagt Moufida Abassi, "auch wenn uns die Regierung mundtot machen will." Abassi ist Fernsehjournalistin und war mit dem Ermordeten befreundet. "Wir haben von Anfang an vor den Islamisten gewarnt. Sie sind gefährlich."
Während der 25-jährigen Diktatur von Zine al-Abidine Ben Ali saßen die Anhänger Ennahdas im Gefängnis oder waren im Exil. Wenige Monate nach der Revolution eröffneten sie in allen Städten Büros, kontrollierten die Moscheen und konnten sich einen aufwendigen Wahlkampf leisten, der entscheidenden Anteil an ihrem Sieg 2011 hatte.
"Das Geld dazu kam aus Katar", meint Frau Abassi. Viel wichtiger sei aber, sich an die jüngere Vergangenheit zu erinnern. Ennahda kämpfte ohne Rücksicht auf Menschenleben gegen die Diktatur. "Die Bombenanschläge von 1986 auf Touristenhotels in Sousse und Monastir darf man nicht vergessen. Genauso wenig die Säureanschläge auf Journalisten und Richter 1990."

Keine Erinnerungen aus dieser Zeit

Viele der jungen Teilnehmer der Beerdigung haben keine Erinnerungen aus dieser Zeit. Für sie gibt die Gegenwart genug Anlass, um Ennahda abzulehnen. "Sie arbeiten mit den radikalen Salafisten zusammen, die vor Mord nicht zurückschrecken", sagt Mohammed, ein arbeitsloser Ingenieur. Er meint damit die Ligen zum Schutz der Revolution, die oppositionelle Journalisten, Politiker und Künstler angreifen.
"Diese Leute sind im Namen von Ennahda unterwegs", glaubt Dschilani Hammami, der Sprecher der Arbeiterpartei. "Sie sind entweder Mitglieder von Ennahda oder stehen ihr nahe."
Die stellvertretende Generalsekretärin seiner Partei war erst vor einem Monat von einem dieser selbst ernannten Beschützer der Revolution mit einem Messer attackiert worden. Drei Tage zuvor hatte es zwei Journalisten getroffen. Auf der Avenue Bourghiba wurden sie von Männern geschlagen und bedroht, die ganz offen zugaben, dass sie Mitglieder dieser Ligen sind.

Polizeibeamte beschweren sich

"Die regierende Ennahda-Partei fand immer Entschuldigungen, um nicht gegen diese Salafisten vorzugehen", erläutert Allay Alani, ein auf radikale Islamisten spezialisierter Professor in Tunis.
"Raschid Ghannouchi sagte, man müsse den Vergehen mit möglichst viel Geduld begegnen." Beamte der tunesischen Sicherheitsbehörden beschwerten sich. "Sobald wir jemand verhafteten, wurde er wenige Tage danach einfach wieder freigelassen", erklärte ein Polizist, der unerkannt beleiben wollte.
"Natürlich haben wir Angst, dass der Mord an meinem Freund Belaid nicht der einzige bleiben wird", sagt die TV-Journalistin Abassi. "Wir müssen uns auf alles gefasst machen. Die Salafisten unterhalten Trainingscamps und üben Krieg in Sporthallen."

Die üblichen Auseinandersetzungen

Die Gewerkschaften hatten für Freitag einen Generalstreik ausgerufen. Geschäfte blieben geschlossen, nur die Busse fuhren. Gewaltsame Auseinandersetzungen hatte es anfangs nur in Gafsa gegeben, einer Stadt im Landesinnern. Erst nach der Beerdigung von Belaid strömten Demonstranten in Tunis auf die Avenue Bourghiba, die seit der Revolution zum rituellen Ort des Protestes wurde.
Wie üblich kam es vor den Stacheldrahtabsperrungen des Innenministeriums zu Auseinandersetzungen mit der Bereitschaftspolizei. Tunesien galt als Musterland für einen demokratischen arabischen Frühling. Dieser Ruf ist ernsthaft gefährdet. Man kann nur hoffen, dass das Land zwei Jahre nach der Revolution nicht doch noch ein ähnlich gewaltsames Schicksal trifft wie Ägypten oder Libyen.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Islamistenführer angeblich nach London geflohen

Viele Tunesier vermuten in Rachid Ghanouchi, Gründer der Regierungspartei Ennahda, den Drahtzieher des Mordes an dem Oppositionellen Schokri Belaid. Er soll inzwischen das Land verlassen haben. Von

Eine Verwandte des ermordeten Schokri Belaid trauert an seinem Sarg
Foto: dpa Eine Verwandte des ermordeten Schokri Belaid trauert an seinem Sarg
Rund um das Innenministerium sind die Straßen gesperrt. Lastwagen, Busse und Einsatzwagen der Sicherheitsbehörden sind überall im Zentrum zu sehen. An der Avenue Bourghiba stehen Hunderte von Bereitschaftspolizisten in ihren schwarzen Uniformen mit Schilden und Helmen. Eine Szenerie, die an die Revolution von 2011 erinnern. Die Prachtstraße und Flaniermeile der tunesischen Hauptstadt war das Epizentrum der Proteste, die den Diktator Zine al-Abidine Ben Ali zur Flucht nach Saudi-Arabien zwangen.
Wochenlang hatten sich hier Regimegegner Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Heute, fast genau zwei Jahre danach, wird erneut für den Rücktritt der Regierung demonstriert. Wie sich die Bilder gleichen: Es gibt gewaltsame Konfrontationen mit prügelnden Polizisten. Tränengas wird eingesetzt. Demonstranten waschen sich die roten, gereizten Augen, einige müssen sich am Straßenrand übergeben. Es sind wenige Tausende, die eine zweite Revolution fordern.
"Freitag ist der wichtigste Tag", sagt Karim Ben Smail, ein Verleger aus Tunis. "Da findet die Beerdigung von Schokri Belaid, statt, der am Mittwoch erschossen wurde. Außerdem ist Generalstreik. Hunderttausende von Menschen werden auf die Straße gehen." Ben Smail ist der Besitzer von Ceres Edition, dem größten Verlag Nordafrikas. Er hat zahlreiche Bücher über die Jasminrevolution veröffentlicht. "Dieser Freitag kann zu einem entscheidenden Tag in der Geschichte unseres Landes werden."

Musterland der neuen Demokratiebewegungen

Tunesien galt bisher als Musterland der neuen Demokratiebewegungen in den arabischen Ländern. Die Selbstverbrennung des arbeitslosen Universitätsabsolvent Mohamed Bouazizi gilt als Startschuss für den Arabischen Frühling. Wie ein Flächenbrand weitete sich die Revolte gegen Diktatoren und autokratische Herrscher über Libyen und Ägypten, bis in den Jemen, Bahrain und nach Syrien aus.
Im Gegensatz zu den Revolutionen gegen Gaddafi oder Mubarak fand in Tunesien eine friedliche Umwälzung statt. Der Sieg der islamistischen Partei Ennahda bei den ersten freien Wahlen schien, gerade für den Westen, ein Schönheitsfehler zu sein. Nachdem Ennahda jedoch beteuerte, keinen islamistischen Staat auf Basis der Scharia zu wollen, gab man sich zufrieden.
Ennahda bildete eine Regierungskoalition mit zwei säkularen Parteien. Aber von politischem Frieden konnte keine Rede sein. Nach zwei Jahren ist immer noch nicht klar, wie die neue Verfassung einer Demokratie nach der Diktatur Ben Alis aussehen soll.

Schuß aus einem fahrenden Auto

Am Mittwochmorgen hatten unbekannte Täter in Tunis Belaid aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Der Mord an dem Oppositionellen und Menschenrechtsaktivisten schockierte Tunesien und ließ die bestehenden Konflikte explodieren. Spontan gingen die Menschen von Tunis bis Sousse und auch Sidi Bouzid, in dem sich Bouaziz verbrannt hatte, auf die Straße.
Der Zorn richtete sich hauptsächlich gegen Ennahda. Mindestens fünf ihrer Parteibüros wurden noch am Tag des Mordes abgefackelt. "Ennahda und Ghanouchi sind schuld am Tod meines Mannes", sagte die Witwe des getöteten Politikers im tunesischen Fernsehen. "Alle Leute, für die Freiheit und Demokratie keine leeren Worte sind, denken genau so", behauptet der Publizist Ben Smail.
Rachid Ghanouchi ist der Gründer von Ennahda und gilt als ihr "intellektueller Führer". Nach 22 Jahren im Exil kam er Anfang vergangenen Jahres in sein Heimatland zurück. Mittlerweile soll "der Retter Tunesiens", wie ihn sein Anhänger damals bezeichneten, erneut in Richtung London verschwunden sein. Für viele ein Indiz, dass er hinter dem Mord an Belaid steckt.

Harscher Kritiker der Ennahda-Partei

Der Oppositionspolitiker war für seine harsche Kritik an der Regierung, insbesondere der dominierenden islamistischen Ennahda-Partei, bekannt. Noch am Vorabend seines Todes hatte er in einer Fernsehsendung von Nessma TV die zunehmende politische Gewalt verurteilt, die von "gewissen politischen Parteien methodisch praktiziert" werde. "Er meinte damit die Liga zum Schutz der Revolution", erklärt Verleger Ben Smail.
Das seien Salafisten und andere extreme Muslime, die mit Gewalt gegen politische Gegner vorgingen. "Aber sie hacken auch Webseiten, wie sie es bei meinem Verlag machten." Es gäbe ein Video, in dem Ghannouchi sich mit einer dieser Gruppen treffe, die auch bewaffnet seien und in Wäldern Trainingscamps unterhielten. "Man kann Ghannouchi deutlich hören", erzählt Ben Smail, "wie er zu den jungen Leuten sagt, bitte bewahrt erst mal Ruhe, ihr braucht keine Angst zu haben, eure Zeit wird ganz bestimmt kommen."
Laut einem Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tunesien wird Ghannouchi "auch nach informellen Angaben aus dem Innenministerium als Drahtzieher und direkter Auftraggeber der Ermordung Belaids vermutet". Das Attentat soll demnach von führenden Figuren des Geheimdienstes, die auf Geheiß Ghannouchis dort installiert worden waren, durchgeführt worden sein.

Samstag, 2. Februar 2013

Von Malis islamistischen Kämpfern fehlt jede Spur

Die Islamisten in Mali haben nun auch Kidal, ihre letzte Hochburg, kampflos aufgegeben. Vermutlich haben sich in die Berge zurückgezogen. Französische und malische Soldaten rücken weiter vor. Von

Ein Mann in Ansongo, südlich der Stadt Gao, winkt mit einer französischen Flagge und raucht genussvoll eine Zigarette. Bis die französischen Truppen gemeinsam mit Soldaten aus Mali und Niger die Stadt von den Islamisten befreiten, war Rauchen wie auch Alkohol trinken und Musik als unislamisch verboten
Foto: AFP Ein Mann in Ansongo, südlich der Stadt Gao, winkt mit einer französischen Flagge und raucht genussvoll eine Zigarette. Bis die französischen Truppen gemeinsam mit Soldaten aus Mali und Niger die Stadt von den Islamisten befreiten, war Rauchen wie auch Alkohol trinken und Musik als unislamisch verboten 
In der Nacht zu Mittwoch landeten die ersten Transportmaschinen mit französischen Soldaten und ihren Fahrzeugen. Hubschrauber kontrollierten die Umgebung. Bei Tageslicht wurden erste Patrouillen nach Kidal geschickt.
Es ist die letzte der drei großen Städte im Norden Malis, die von den Islamisten besetzt war. Wie schon in Gao und Timbuktu verließen die Rebellen auch Kidal kampflos. "Die Franzosen kamen um 21.30 Uhr in drei Flugzeugen", berichtete Haminy Maiga, der Interimspräsident der Regionalversammlung. "Sie übernahmen den Flugplatz und fuhren in die Stadt. Es gab keine Kampfhandlungen."
Ansar al-Din, die Verteidiger des Glaubens, hatten den 1500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako gelegenen Ort regiert. Der Flughafen von Kidal war ein Dreh- und Angelpunkt des internationalen Schmuggels.
Von hier aus wurden Kokain und Zigaretten über den Luftweg in die Länder Nordafrikas gebracht. Tonnenweise wurde Haschisch aus Marokko in den Süden Afrikas transportiert. "Das Millionengeschäft mit dem Schmuggel ist einer der wichtigsten Hintergründe der Krise in Mali", erklärte Ahmedou Oud Abdallah.

So weit sind die Truppen im Kampf gegen die Islamisten bereits vorgerückt
Foto: Infografik Die Welt So weit sind die Truppen im Kampf gegen die Islamisten bereits vorgerückt
Der 72-Jährige hatte mehrere Ministerposten in Mauretanien inne und war UN-Beauftragter in Somalia. Heute ist er als Berater tätig und unterhält einen Think Tank.

Tuaregs behaupten, sie kontrollieren die Stadt

Unklar ist bisher noch, wer nach dem Abzug der Islamisten am Samstag die Kontrolle der Stadt übernommen hat. Die Tuareg-Bewegung für einen unabhängigen Staat Azawad (MNLA) behauptet, in die Stadt einmarschiert zu sein.
Die MNLA hatte im Januar 2012 eine Rebellion gegen die Zentralregierung in Bamako gestartet. Innerhalb von drei Monaten eroberten sie den gesamten Norden Malis. Nach dem Ausruf des unabhängigen Staats Azawad im März wurden die Tuareg von den Islamisten entmachtet und vertrieben.
Im Juni hatte das islamistische Bündnis aus Ansar al-Din, der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) und Al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) das Gebiet, das doppelt so groß wie Deutschland ist, unter ihrer Herrschaft.

Abspaltung von Ansar al-Din erhebt Ansprüche

In Kidal meldete sich auch die Islamische Bewegung Azawad (Ima) zu Wort, eine Abspaltung von Ansar al-Din. "Wir haben die Stadt übernommen", hieß es von ihrer Seite. Vor einer Woche hatte der Tuareg-Führer Alghabass Ag Intalla die Gründung der neuen Gruppe im Radio Frankreich International bekannt gegeben.
"Wir sind gegen Extremismus und Terror. Wir wollen eine friedliche Lösung." Angeblich will Ima mit dem französischen Militär in Kidal in Kontakt sein und über den Status der Organisation verhandeln.
Der Sinneswandel kommt etwas spät. Viele Trümpfe dürfte Ima nicht besitzen. Mit der bisher erfolgreichen französischen Intervention stehen die Tuareg mit dem Rücken zur Wand. Über ein halbes Jahr hatten sie mit den islamistischen Extremisten gemeinsame Sache gemacht.
"Pragmatismus ist in dieser Region völlig normal", erläutert der mauretanische Ex-Diplomat Abdallah. "Sehen Sie, jeder kann hier eine Miliz gründen, wenn nur das Geld stimmt. Und alle sind begeistert von der neue Sache."

Wo sind die Islamisten jetzt?

Die große Frage in Kidal bleibt: Wohin sind die islamistischen Kämpfer verschwunden? Ohne Vergeltungsmaßnahmen werden sich gerade die Al-Qaida-Kommandanten Mokhtar Belmokhtar und Abdelhamid Abu Zeid nicht in die Wüste zurückziehen. Beide sind berüchtigt für ihre Brutalität und Radikalität.
Belmokhtar, der in Afghanistan auf Seiten der Taliban kämpfte, soll der Drahtzieher des Anschlags auf die algerische Gasanlage in In Amenas sein. Abu Zeid gilt als Verantwortlicher zahlreicher Entführungen und Exekutionen von Europäern.
Laut Berichten aus Kidal sollen sich beide Aqmi-Führer, zusammen mit Iyad Ag Ghaly, dem Chef von Ansar al-Din, in die Berge nördlich der Stadt zurückgezogen haben. Dort gibt es Höhlensysteme, die den Islamisten als logistische Basis dienen.
Aus dem bergigen Terrain können sie jederzeit Angriffe auf Patrouillen der französischen oder malischen Armee starten. Von Kampfflugzeugen sind sie nur schwer auszumachen.

Angst vor Menschenrechtsverletzungen

Über militärische Strategien machen sich Menschenrechtsorganisationen kaum Gedanken. Sie sorgen sich um die Zivilbevölkerung. Nach der Befreiung von Timbuktu wurden Geschäfte von Tuareg und Arabern geplündert.
Ein Mob wollte sogar zwei Ladenbesitzer lynchen, denen man die Unterstützung der Islamisten nachsagte. Im letzten Moment konnte das verhindert werden – mit Hilfe von malischen Soldaten, die alles andere als eine gute Reputation besitzen, was die Einhaltung der Menschenrechte angeht.
Human Rights Watch (HRW) und andere Menschenrechtsorganisationen machen sie für Exekutionen verantwortlich. Mitte Januar sollen Soldaten Tuareg und Araber hingerichtet haben, die man als Islamisten verdächtigte. Nicht der erste Fall.
Im September 2012 sollen sie 16 muslimische Prediger nahe Diabali erschossen haben. Diese Morde gelten als möglicher Grund für die Eroberung und teilweisen Zerstörung der Kleinstadt im Westen Malis durch die Islamisten.
Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) hat eine Untersuchung in Mali eingeleitet. "Ich möchte alle am Konflikt beteiligten Parteien daran erinnern", erklärte die ICC-Chefanklägerin Fatou Bensouda, "dass mein Büro die Jurisdiktion über alle ernsten Verbrechen hat und die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen."
Die französische Regierung will möglichst bald internationale Beobachter nach Mali entsenden, "um die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten", wie Premierminister Jean-Marc Ayrault in Paris versicherte.

Angst vor Rache

In Kidal, der Hauptstadt der Tuareg-Rebellion, wird sich zeigen, wie sehr die malische Armee gewillt ist, internationales Recht zu respektieren. "Die Tuareg sind doch an dem ganzen Schlamassel Schuld", lautet die populäre Meinung in Mali. Im Norden Malis machen die Tuareg nicht mehr als 15 Prozent der Bevölkerung aus.
Ihr unabhängiger Staat, den sie im März ausriefen, galt als Diktat einer ethnischen Minorität über die Mehrheit der Bewohner der Region. Unter den Tuareg geht nun die Angst vor Racheaktionen um.
Sie gelten wegen ihrer Hautfarbe als die "Roten". In Bamako wedelten neunjährige Kinder auf der Straße mit französischen Flaggen und riefen: "Wir sind Rote, wollen aber allen zeigen, dass wir nichts mit den Terroristen gemein haben."

"Für Frauen war die Scharia eine Katastrophe"

In Gao werden die französischen und malischen Truppen mit Jubel begrüßt. Mehr als sechs Monate lang mussten die Bewohner die Herrschaft der Islamisten erdulden. Es gab Steinigungen und Zwangsheiraten. Von

Malische Soldaten patrouillieren auf einem Pickup
Foto: dpa Malische Soldaten patrouillieren auf einem Pickup

Die französische Militärführung sprach von einem so "schwierigen wie langen Kampf" gegen die Islamisten. Nun scheint die Operation im Norden Malis schneller und einfacher zu verlaufen als erwartet. Binnen weniger Tage wurden nach Diabali und Konna die Städte Duentza, Hombori und vor allen Dingen Gao eingenommen. Die strategisch wichtige Stadt liegt am Niger, dem bedeutendsten Fluss Westafrikas und Lebensader Malis. Nach Timbuktu sind es 320 Kilometer und zur Grenze zu Niger nur 200. Von dort sollen nigerische Truppen und Soldaten aus dem Tschad nach Gao kommen, um die Stadt zu sichern.
Der Vormarsch der Franzosen geht so rasch vor sich, weil die Rebellen kampflos aus den von ihnen besetzten Orten abziehen. Nur in Gao soll es Gefechte gegeben haben, bei denen "etwa ein Dutzend Kämpfer" getötet wurden. "Die Rebellen sind nach den ersten Bombardierungen abgezogen", berichtet Mohammedou, ein Bewohner Gaos, der als Journalist arbeitet. "Das Kommando überließ man lokalen Kämpfern, die sich freiwillig den Islamisten angeschlossen hatten."

Malische Frauen in Diabali, das von den Islamisten zurückerobert wurde
Die Verteidiger des Glaubens (Ansar al-Dine), die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) sowie al-Qaida im Maghreb (Aqim) mussten durch den Einsatz französischer Kampfflugzeuge herbe Verluste hinnehmen. Gezielt wurden Stellungen, Ausbildungslager der radikalen Islamisten, aber vor allen Dingen auch ihre Logistik bombardiert.
Mehrere Benzin- und Waffenlager wurden erfolgreich zerstört. Unzählige ihrer Fahrzeuge, die typischen Pick-Ups mit Maschinengewehrstellungen auf der Ladefläche, gingen in Flammen auf. Mobilität ist in einem Wüstengebiet, das doppelt so groß ist wie Deutschland, der entscheidende Faktor. Ohne entsprechende Ressourcen sind die Islamisten leichte Beute für "die Kreuzfahrer aus dem Westen".

"Eines Tages werden wir dich erwischen"

In Gao wurden die französischen und malischen Truppen von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt. Über sechs Monate hatten die 100.000 Bewohner der von braunen Lehmbauten geprägten Stadt die Herrschaft der Islamisten erdulden müssen. "Die Touristen kamen nach Gao, um Dünen, Märkte, die islamischen Heiligengräber und die antike Askia-Moschee zu sehen, deren Lehm aus Mekka stammt", erzählt Mohammedou. Neben Sightseeing hätten sich die Besucher auch amüsieren können. "Wir hatten zehn Nachtclubs und über 100 Bars, in denen man sich 24 Stunden betrinken konnte", fügt der 32-Jährige schwärmerisch hinzu. "Nur die Islamisten haben das alles verboten, als sie letztes Jahr einmarschierten."
Mohammedou erinnert sich noch gut an die drohenden Worte von Abdelkarim, dem Führer von Mujao, die Gao zu ihrer Basis machten. "Wir wissen, dass du heimlich rauchst. Pass nur auf, eines Tages werden wir dich erwischen." Neben Mujao war auch ein Teil der Aqim unter dem Befehl von Mokhtar Belmokhtar nach Gao gekommen. Der ehemalige Afghanistankämpfer gilt als Drahtzieher des blutigen Anschlags auf die algerische Gasförderanlage in Amenas, bei dem 37 Geiseln ums Leben kamen.
Anfangs galten die Extremisten als Befreier, nachdem sie die nationale Bewegung für einen unabhängigen Tuareg-Staat Azawad vertrieben hatten. Die MNLA hatte im Januar 2012 eine Rebellion gegen die Zentralregierung in Bamako gestartet und binnen dreier Monate den ganzen Norden Malis besetzt. In Gao plünderten die Tuaregs hemmungslos. Frauen wurden vergewaltigt. "Ich sah wie eine Gruppe der MNLA-Kämpfer mit 30 Frauen im Busch verschwanden und erst nach einer Woche wieder zurückkamen", erzählt Idriss, der als Fahrer für einen der Tuareg-Führer arbeitete. "Man sah den Frauen an, dass ihnen etwas Schreckliches widerfahren ist."

"Nichts anderes als Gruppenvergewaltigungen"

Die Islamisten verteilten Nahrungsmittel an die Bevölkerung, stoppten Plünderungen und richteten eine Telefonhotline ein. Die Bewohner von Gao sollten Verstöße der MLNA melden. "Mir ist ein Fall eines verschleppten Mädchens bekannt, das von den Islamisten gerettet wurde", weiß Corinne Dufka, die für Human Rights Watch (HRW) für Westafrika zuständig ist.
Aber bereits nach einem Monat verschlechterte sich die Lage für die Einwohner von Gao vehement. Eine puritanische Form der Scharia, des islamischen Rechts, wurde eingeführt. Montag und Donnerstag hielten die Islamisten Gericht.
Die Urteile wurden auf dem Platz der Unabhängigkeit, unweit des Gouverneurspalastes, öffentlich vollstreckt. "Es gab zwei Steinigungen und viermal wurde vermeintlichen Dieben die Hand abgeschnitten", erinnert sich Journalist Mohammedou. "Ein Mann lachte hysterisch, als man ihm seine Hand absäbelte." Danach habe man den Betroffenen zum Krankenwagen gebracht, in dem ein Arzt wartete.
"Für die Frauen war die Scharia eine Katastrophe", erklärt die stellvertretende Bürgermeisterin von Gao. "Die malische Frau kann sich in der Öffentlichkeit normalerweise frei bewegen", meint Saima Issa Maiga. "Sie geht zur Arbeit, auf den Markt und trifft sich mit anderen. Und plötzlich durfte sie das Haus nicht mehr verlassen. Was für eine Groteske." Reihenweise habe es auch unter der Herrschaft der Islamisten Vergewaltigungen gegeben, behauptet die Bürgermeisterin. "Kein Unterschied zur MNLA."
Ganz so sieht es die HRW-Verantwortliche Dufka nicht. "Eine lokale Organisation hat in Gao bis Dezember 2012 insgesamt 41 Fälle gezählt und der weit überwiegende Teil davon geht auf das Konto der MNLA." Die Islamisten hätten eine Scharia-konforme Art der Vergewaltigung gewählt. Eine Frau sei mit fünf Männern verheiratet worden, von denen jeder einen Teil des Brautpreises bezahlt habe. "Das waren erzwungene Heiraten. Und man kann es nicht anders nennen als Gruppenvergewaltigung", so Dufka.

"Nicht lachen, sondern mit uns weinen"

Die Einwohner Gaos fanden sich mit der Herrschaft der Scharia nie ab. Immer wieder kam es zu Demonstrationen junger Leute. Sie warnten die Islamisten auch davor, Heiligengräber zu zerstören wie in Timbuktu. "Ihr müsst uns schon töten, bevor wir das zulassen", sollen die Demonstranten den Islamisten zugerufen haben. Als ein Mann als Spion beinahe zu Tode geprügelt wurde, protestierten die Menschen erbost auf den Straßen. Kein Wunder, dass die Bewohner Gaos lachten und applaudierten, als französische Bomben über 100 islamistische Kämpfer töteten. "Ihr sollt nicht lachen, sondern mit uns weinen", soll Abdelkarim, der Mujao-Führer, verzweifelt gesagt haben. Ihm war die Kontrolle der Stadt längst entglitten.
Nach Gao reisten alle Arten von Würdenträger aus Ländern der Region. "Politiker wie Islamgelehrte trafen sich mit den Islamisten", weiß Mohammedou zu berichten. "Sie kamen aus Niger, Algerien und Mauretanien." Idriss, der Fahrer eines MNLA-Komandanten, der zu Mujao überwechselte, erinnert sich an mehrere Geheimtreffen mit einem Emir aus Libyen. Sämtliche Führer der Rebellen hätten ihm stets ihre Aufwartung gemacht. Darunter Aqim-Kommandant Abu Zeid, Iayad Ghali von Ansar al-Dine und auch Belmokhtar, der Chef von Aqim. "Sie haben den Libyer wie ihren Boss empfangen", meint Idriss, der den Namen des hohen Besuchs nicht kennt.
Aus Libyen soll ein Großteil der Waffen der Rebellen stammen. Belmokhtar hielt sich 2011 während der Revolution mehrere Monate in Libyen auf. Im Süden des nordafrikanischen Landes gibt es Ausbildungslager von al-Qaida. Von dort soll ein Teil des Kommandos stammen, das die algerische Gasanlage Amenas überfiel. In der Stadt Derna, im Norden Libyens, trainiert Abdulbasit Azuz einige hundert Kämpfer. Er ist ein langjähriger Weggefährte von Ayman al-Zahahiri, dem Al-Qaida-Chef in Pakistan.

Unterstützung aus Katar?

Nach Geheimdienstberichten soll auf dem Flughafen von Gao eine Maschine der königlichen Familie aus Katar gelandet und nach wenigen Stunden wieder abgeflogen sein. Katar ist das einzige Land, das im Norden Malis offiziell mit einer NGO permanent vertreten ist. Der Rote Halbmond soll humanitäre Hilfe für die Bevölkerung liefern. Bewohner von Gao berichten, dass es bis zur Grenze zur Niger drei medizinische Posten der katarischen Hilfsorganisation gibt. Sie sollen im Notfall verwundete Islamistenkämpfer verarzten. Auf dem Flughafen von Tesalit, ganz im Norden Malis, wurden Transportmaschinen aus Katar beobachtet. "Sie trugen das Zeichen des Roten Halbmonds, hatten aber damit nichts zu tun", versicherte ein europäischer Diplomat, der ungenannt beleiben will.
Eine Unterstützung der Islamisten durch das Golfemirat wäre kein Wunder. Katar unterstützte die extremistischen Al-Schabab-Milizen in Somalia, lieferte Waffen an islamistische Revolutionäre in Libyen und zurzeit auch nach Syrien. Im malischen Fernsehen sagte Mohammed Diko vom hohen islamischen Rat des Landes: "Wir müssen unser Verhältnis zu Katar völlig überdenken."

In Kidal wird der Endkampf stattfinden

Für Ahmed Ould Abdallah verschleiert der Krieg gegen die Islamisten in Mali die eigentlichen Probleme der Region. "Der Norden Malis ist ein Umschlagplatz für Drogen, Zigaretten, gestohlene Autos und Waffen. Dort gibt es mit Sicherheit Gas und Erdölvorkommen, Uran, Gold und andere Minerale", sagt Abdallah, der mehrfach Minister in Mauretanien war und UN-Beauftragter für Somalia. Laut einem Bericht der UN-Büros für Drogen und Verbrechen (Unodc) kamen 2009 60 Prozent der Zigaretten in Libyen (180 Millionen Euro) und 18 Prozent (270 Millionen) in Algerien aus Westafrika. Seit 2003 werden auch Kokain aus Südamerika nach Europa und Haschisch aus Marokko nach Afrika über den Norden Malis geschmuggelt. Es ist ein Milliardengeschäft, an dem Kriminelle, Islamisten und auch Geheimdienste mitverdienen wollen.
Für Abdallah ist die Krise Malis ein Ausdruck grundsätzlicher Probleme der Staaten der Region. "Dazu gehören schlechte Regierungsführung, Korruption, Ungerechtigkeit und Aussichtslosigkeit der Jugend", führt der 62-jährige Diplomat aus. Der Waffenstrom aus Libyen nach dem Sturz von Muammar Gaddafi sei nicht, wie vielfach behauptet, die Ursache für die Instabilität Malis. Dies sei nur der Auslöser. "Sehen Sie, jeder der Geld hat, kann eine Miliz gründen", erklärt Abdallah. "Ob Soldaten oder Islamisten, alle würden für mich kämpfen, Hauptsache der Sold stimmt."
Die Truppen Frankreichs und Malis haben nach Aussagen eines Armeesprechers sogar schon Timbuktu eingenommen. Eine weitere Stadt, die die Islamisten nahezu kampflos aufgegeben haben. Angeblich sollen sie bereits nach Kidal geflüchtet sein. Dort können sie im gebirgigen Gelände unentdeckt agieren. In der Savanne sind sie der französischen Luftwaffe ausgeliefert. In der Umgebung von Kidal liegt zudem ein unübersichtliches Höhlensystem. E
in Schäfer musste bereits für das muslimische Opferfest des Eid al-Adha einige seiner Tiere an die Rebellen liefern. Er sah in den Höhlen, die man mit Wagen befahren kann, Hunderte von Benzinfässern, Generatoren und Waffen. Französische Jagdflugzeuge haben die Gegend mehrfach bombardiert. Fraglich ist, ob das weit verzweigte unterirdische System zerstört wurde.
Nur eines scheint sicher: In Kidal wird der Endkampf stattfinden. Vorausgesetzt, die Islamisten verschwinden nicht plötzlich wie ein Schreckgespenst und beginnen später mit einem blutigen Guerillakrieg.

"Kein Gebiet der Welt ist mehr sicher"

Die Islamisten in Mali ziehen sich aus eroberten Städten zurück, doch die Großoffensive im Norden muss noch warten. Die Nachbarstaaten warnen: Fällt Mali, wären die Folgen unabsehbar. Von

Französische Fremdenlegionäre in Niono, 400 Kilometer nördlich von Malis Hauptstadt Bamako
Foto: dapd Französische Fremdenlegionäre in Niono, 400 Kilometer nördlich von Malis Hauptstadt Bamako

Sie fahren in offenen Jeeps durch die Stadt. Die Soldaten geben sich cool mit ihren dunklen Sonnenbrillen, Tüchern über Nase und Mund gegen den Staub. Ein Monitor im Wagen, Schutzwesten, Gewehre und die Pistole im Halfter am Oberschenkel vermitteln: Diese Kerle verstehen keinen Spaß.
Einzig die Menschen am Straßenrand, die ihnen freudig zuwinken und "Es lebe Frankreich" rufen, zaubern ein kurzes Lächeln in ihre regungslosen Gesichter.
Die französischen Truppen sind in Markala (Mali) stationiert, darunter viele Fremdenlegionäre. Sie bewachen eine strategisch wichtige Stahlbrücke, die sich über den hier 500 Meter breiten Fluss Niger spannt und die wichtige Straße beiderseits des Ufers in die 400 Kilometer entfernte malische Hauptstadt Bamako im Süden verbindet.
Im Norden beginnt nach 60 Kilometern das Gebiet der islamistischen Rebellen von Ansar al-Din, der Bewegung für Einzigartigkeit und Dschihad (Mujao) sowie al-Qaida im Maghreb (Aqim). Staatliche Strukturen greifen dort nicht, es ist Niemandsland.

"Sonst gäbe es kein Mali mehr"

Rund 2000 Soldaten hat Frankreich bisher nach Mali geschickt. 500 weitere sollen folgen, wie der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dem Fernsehsender France 3 sagte. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) will zusätzlich 3300 Soldaten schicken. Bisher sind von den 15 Ecowas-Mitgliedsstaaten aber nur 100 Soldaten aus Togo und Nigeria angekommen.
Das stößt in Paris auf Unverständnis. "Frankreich blieb nichts anderes übrig, als sehr, sehr schnell zu intervenieren, sonst gäbe es kein Mali mehr", erklärte Außenminister Laurent Fabius. "Aber nun ist es an der Zeit, dass die Afrikaner die Initiative ergreifen."

Mali und Algerien mit den Staaten der afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas
Foto: dpa-infografik Mali und Algerien mit den Staaten der afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas
Frankreich will und kann Mali nicht im Alleingang befreien. Sein Ziel ist es, die Islamisten aus dem Norden zu vertreiben, den sie seit vergangenen April kontrollierten. Danach soll dem Land, das fast viermal so groß wie Deutschland ist, Sicherheit, Frieden und Stabilität garantiert werden. Das aber mögen dann die Afrikaner selbst regeln. Doch die Bereitstellung der zugesagten afrikanischen Kontingente ist ein mühsamer Prozess.

Wer bezahlt, ist noch ungeklärt

Ungeklärt ist noch immer die Frage, wer den Einsatz in Mali bezahlt. Die afrikanischen Staaten warten auf Geldgeber und lassen sich Zeit, die sie nicht haben. Denn bis zu 3000 international vernetzte, gut ausgerüstete und schwer bewaffnete radikale Islamisten sind eine Gefahr für die ganze Region.
Frankreich appelliert an die internationale Gemeinschaft, sich an den Kosten zu beteiligen. "Wir müssen so schnell wie möglich die logistischen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die die malische Armee und die gesamte afrikanische Mission benötigen", forderte Fabius. Am 29.Januar soll eine Sponsorenkonferenz in Äthiopien die notwenigen Ressourcen heben.
Auf einem Treffen der Ecowas-Staaten an der Elfenbeinküste versuchte Fabius, den versammelten Staatsoberhäuptern die Dringlichkeit der Situation vor Augen zu führen. Er forderte sie unmissverständlich auf, "so schnell wie möglich" mit der Entsendung der versprochenen Truppen zu beginnen. Nigeria sollte die Ecowas-Eingreiftruppe aus dem Tschad, Benin, Ghana, dem Niger, dem Senegal, Burkina Faso und Togo anführen.

"Kein Gebiet der Welt ist mehr sicher"

Zumindest verbale Unterstützung erhielt Fabius vom Präsidenten der Elfenbeinküste. Alassane Ouattara behauptete mit Nachdruck, dass eine Intervention der Ecowas unverzichtbar sei. "Die Region wird sich sonst wirtschaftlich nicht erholen", meinte der Präsident. "Kein Gebiet der Welt ist mehr sicher, wenn die Dinge in Mali in die falsche Richtung laufen."
Die sporadisch eintreffenden afrikanischen Kontingente sollen sich zehn Tage lang selbst versorgen können. Wer nach dieser Zeit die Verantwortung übernimmt, ist offen. Aber es gibt noch andere Probleme. Die Verlegung der Truppen des Senegal nach Mali verschiebt sich, weil die Armee angeblich auf Munitionsnachschub für ihre Artillerie wartet.
"Zudem haben wir derzeit ein grundsätzliches Problem mit der Logistik", erklärt der französische Kommandant Renaud Vidal. "Unsere Transportkapazitäten sind nicht ausreichend. Es fehlt einfach an Maschinen." Alles muss auf dem Luftweg nach Mali gebracht werden: ob Waffen, Panzer, Munition, Verpflegung oder Medizin. "Wir müssen entscheiden, was mitfliegt", meint Vidal. "Munition oder Geräte zum Aufbau der Infrastruktur." Bisher überwiegt die Munition.

Russische Transporthilfe

Russland hat inzwischen Transporthilfe angeboten, ebenso wie Belgien, Großbritannien, Kanada, Italien und die Niederlande. Deutschland hat zwei Transall-Transportflugzeuge der Bundeswehr nach Mali geschickt.
Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Ausbildung der Afrikaner dar. Mit Ausnahme von Nigeria und des Tschad, die über kampferprobte Armeen verfügen, müssen die Truppen der anderen Länder ein zweiwöchiges Training absolvieren. Französische Ausbilder nehmen sich der afrikanischen Soldaten an. Dabei müsste man nach gut ausgebildeten und kampfwilligen Soldaten nicht lange suchen. In Bamako warten 1000 Mann ungeduldig darauf, für ihr Land in den Krieg zu ziehen.
Die sogenannten Rotbarette bilden eine Eliteeinheit der malischen Armee. Sie waren als Leibgarde für den Schutz von Präsident Amadou Toumani Touré verantwortlich, bis er im März 2012 vom Militär gestürzt wurde. Hauptverantwortlicher des Putsches war Hauptmann Amadou Sanogo.
"Am 1.Mai kamen seine Truppen in unsere Kaserne", erzählt der Rotbarett-Kommandant Marc Dongan. "Sanogo hatte Angst vor einer Konterrevolution und entwaffnete uns." Dongan sitzt auf einem wackeligen Plastikstuhl und verscheucht mit der Hand Moskitos.

Eine Präsidentengarde existiert nicht mehr

Der Offizier ist umringt von seinen ehemaligen Soldaten. Uniform darf keiner mehr tragen. Offiziell existiert die Präsidentengarde nicht mehr. Nur wenige bekommen noch ihren Sold, der dann geteilt wird. Noch immer leben sie mit ihren Familien auf dem Kasernengelände von Decorami.
"Wir haben erst vor wenigen Tagen ein Gesuch an Interimspräsident Diouncounda Traore gestellt, wir wollen unbedingt kämpfen", sagt Dongan. "Wir sind eine Eliteeinheit", ruft sein Adjutant Suleiman Sidibi dazwischen. "Wir sind Fallschirmspringer und haben Spezialisten für schwere Waffen, den Nahkampf und auch Scharfschützen."
Sie seien von Kanadiern, US-Amerikanern und Franzosen ausgebildet worden, erklärt er aufgebracht. Die Truppe sei für die derangierte malische Armee eine große Hilfe. "Aber Sanogo will uns keine Waffen geben", ergreift der Kommandant Dongan erneut das Wort. Er runzelt die Stirn und fügt verärgert an: "Was ist das für eine Armee, die von einem Hauptmann befehligt wird? Er sagt Generälen, was sie zu tun haben."

Die Großoffensive gegen die Islamisten steht noch aus

So muss die geplante Großoffensive gegen die Islamisten warten. Nach der Rückeroberung der beiden Städte Konna und Diabali, die die Krieger im Namen Allahs für kurze Zeit besetzt hielten, besteht keine Dringlichkeit. Die Rebellen haben sich aus beiden Städten zurückgezogen. Ihr gefürchteter Vorstoß auf die Hauptstadt wurde vereitelt. Die französische Luftwaffe hat sie zum Rückzug gezwungen.
In Diabali sind die Folgen der Bombardierung deutlich zu sehen. Die Kaserne, die die Islamisten als Hauptquartier nutzten, ist völlig zerstört. Wagen, die sie unter Mangobäumen versteckten, sind ausgebrannt.

Die Rebellen ließen Waffen zurück

Wohnhäuser, in denen sie Quartier genommen hatten, sind unter dem massiven Beschuss eingestürzt. "Sie sind in aller Eile abgezogen", erklärt Seydou Taore, der Präfekt der nahe gelegenen Stadt Niono.
"Sie haben sogar Waffen, darunter einige Mörser, zurückgelassen. Die malischen Soldaten kämmen nun die Stadt Haus für Haus durch auf der Suche nach versteckten Islamisten."
Seit Beginn der Offensive am 11.Januar hatte es widersprüchliche Nachrichten über den Einsatz französischer Bodentruppen gegeben. Französische Medien hatten mehrfach gemeldet, es habe in Diabali Häuserkämpfe Mann gegen zu Mann mit den Rebellen gegeben. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian räumte diese Gerüchte aus. "Ich glaube, da hat jemand halluziniert."

Islamisten werden Frankreich erbitterten Kampf bieten

Unterwegs mit französischen Fremdenlegionären in Mali: Die Soldaten sind siegessicher, gut ausgerüstet, erfahren. Aber ihre Gegner kämpfen mit dem Fanatismus selbst ernannter Gotteskrieger. Von


Islamistische Kämpfer der Gruppierung Ansar al-Din ziehen in den Nordosten Malis. Auf ihren Stirnbändern steht das islamische Glaubensbekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Allah!“
Foto: REUTERS Islamistische Kämpfer der Gruppierung Ansar al-Din ziehen in den Nordosten Malis. Auf ihren Stirnbändern steht das islamische Glaubensbekenntnis: "Es gibt keinen Gott außer Allah!"

Zwei Mörser sind auf den Niger ausgerichtet, auf dem ein Fischer in seinem schmalen Holzboot beschaulich vorbeirudert. Am Ufer des bedeutendsten Flusses Westafrikas, der Lebensader Malis, ist ein Posten der Fremdenlegion stationiert. Einer von vielen der französischen Armee, die in Markala die strategisch wichtige Stahlbrücke über den gut 500 Meter breiten Strom sichern sollen.
Von hier führt die Verbindungsstraße in die 400 Kilometer entfernte malische Hauptstadt Bamako im Süden des Landes. 60 Kilometer weiter nördlich beginnt das Gebiet der islamistischen Rebellen von Ansar-al-Din, der Bewegung für Einheit und Dschihad (Mujao) sowie al-Qaida im Maghreb (Aqim).
Es ist ein Gebiet ohne jede staatliche Autorität und reicht bis an die 150 Kilometer entfernte Grenze Mauretaniens. Niemandsland, rechtsfreie Zone, eine ideale Basis für die islamistischen Rebellen, umliegende Dörfer und Kleinstädte zu terrorisieren.

Fanatiker sind bereit, für ihre Sache zu sterben

Acht Fremdenlegionäre liegen auf ihren Feldpritschen in Biwakzelten bei 30 Grad im Schatten. Als der Wachposten Schritte hört, die sich dem Lager nähern, springt er auf, das Gewehr im Anschlag. Aber es ist kein Feind, nur ein Reporter. Die jungen Männer sind freundlicher, als man es von Soldaten der berühmt-berüchtigten Fremdenlegion erwarten würde.
"Wir sind hier und warten auf Befehle", sagt einer. "Vor den Islamisten haben wir keine Angst", erklärt ein anderer mit muskelstrotzenden Oberarmen, der die französische Côte d'Azur seine Heimat nennt. Die Soldaten wissen, dass sie gegen religiöse Fanatiker kämpfen, die jederzeit bereit sind, für ihre Sache zu sterben. "Aber über so etwas denken wir nicht nach. Wir machen wie immer unsere Arbeit."

Diese Islamisten "sollen nur kommen, sie sind herzlich willkommen", ruft ein Dritter, der auch schon in Afghanistan gekämpft hat. "Wir werden sie töten." Es sind Profis des Krieges, besser ausgerüstet, besser trainiert und besser im Umgang mit ihren Waffen als ihre Gegner. Sie wissen das und scheinen nichts und niemanden zu fürchten.

Schnelles Handeln war gefragt

Frankreich hat in Mali schnell und kraftvoll militärisch interveniert, als die Islamisten ihr Herrschaftsgebiet ausweiten wollten. Bisher hatten sie sich auf den Norden Malis beschränkt, ein Gebiet doppelt so groß wie Deutschland. Aber dann überfielen sie überraschend die Stadt Konna in Zentralmali.
Das einzige Hindernis auf ihrem Durchmarsch nach Bamako bildete die Militärgarnison mit dem Flughafen der malischen Armee in Sévaré. Die Islamisten hätten die schwache malische Armee überrannt. Schnelles Handeln war gefragt, um zu verhindern, dass das ganze Land in die Hände der Islamisten fällt. Paris handelte.

"Der Krieg wird eine lange Zeit dauern"

Die französischen Fremdenlegionäre wurden von ihrer Basis im Tschad nach Mali verlegt. Doch ganz so simpel, wie die Soldaten denken, scheint es nicht zu sein, den Feind zu besiegen. "Der Krieg wird eine lange Zeit dauern", sagt Oberst Frédéric auf der Militärbasis der französischen Armee, die in einer Kaserne des malischen Militärs in Markala eingerichtet ist.
Der Offizier gibt zumindest seinen Vornamen preis, seine Leute nennen ihre Namen aus Sicherheitsgründen lieber nicht. "Mali könnte sich zu einem Malistan entwickeln", sagt Frédéric und spielt damit auf die anhaltenden Terroranschläge der Taliban in Afghanistan an. "Es sind wahrscheinlich weniger als 3000 Islamisten in Mali, aber wenn sie einen Guerillakrieg mit Autobomben und Selbstmordattentaten führen, könnten sie immensen Schaden anrichten."
Bisher sei es noch ein symmetrischer Konflikt zwischen zwei Armeen. Aber das könne sich ändern, wenn die Rebellen militärisch auf die Verliererstraße gerieten. Einen großen Vorteil macht der Franzose aus: "In Mali haben die Terroristen keinen Rückhalt in der Bevölkerung." Den Franzosen aber werde vom Straßenrand überall zugejubelt, "es lebe Frankreich" gerufen und mit hoch erhobenen Fäusten "viel Kraft" im Kampf gewünscht.

"Glücklich und dankbar, dass uns geholfen wird"

Die Fahrt im Schützenpanzer zu Stellungen der französischen Armee rund um Markala führt einige Kilometer aus der Stadt hinaus. Das gepanzerte Fahrzeug biegt von der Hauptstraße auf eine holprige Piste und erreicht bald ein Dorf. Zwischen den primitiven Gebäuden laufen Hühner und Ziegen. Zwei Esel sind angebunden.
Neben einem Wohnhaus, dessen Außenwände landestypisch mit einer Lehmschicht abgedichtet sind, steht ein Radpanzer. Unter einem Mangobaum ist eine Maschinengewehrstellung eingerichtet. Eine zweite liegt in einem Graben. Ein Soldat beobachtet mit seinem Fernglas unaufhörlich die Gegend.
"Mich stört das überhaupt nicht, dass bei mir ein französischer Außenposten untergebracht ist", sagt Amala Ag al-Mahi, der hier mit seiner Familie und der seines Bruders lebt. "Im Gegenteil", meint der 45-Jährige. "Wir sind glücklich und dankbar, dass uns geholfen wird." Zufrieden nimmt er einen Schluck Tee, den seine Frau auf einem kleinen Kohleofen zubereitet hat.

"Wir wollten alle sofort einrücken"

Die letzte Stellung der Franzosen befindet sich fünf Kilometer hinter Markala. Ein Bagger hebt gerade eine weitere Maschinengewehr-Stellung aus. Auch hier verfügt der Posten über einen Rad- und zwei Schützenpanzer. Einige der etwa 20 Soldaten verfrachten Lenkraketen vom Typ Milan, die auch von der Bundeswehr verwendet werden, in Viererpacks in die gepanzerten Fahrzeuge.
Ein Soldat berichtet über seine Enttäuschung darüber, dass seine Einheit nach ersten Luftangriffen gegen die Rebellen den Job nicht vollenden konnte. "Wir wollten alle sofort in die besetzten Städte einrücken. Aber die Entscheidungen werden von den Politikern getroffen. Viele Tote können sie nicht gebrauchen."
Konna wurde tagelang von französischen Kampfjets bombardiert. Den Bodeneinsatz überließen die Franzosen offenbar den malischen Truppen. Sie haben die Stadt am Ende befreit, das hatte natürlich auch symbolische Bedeutung. Ein Sprecher der al-Qaida-nahen Ansar al-Din bestätigte den Abzug seiner islamistischen Kämpfer.

Täglich neue Flüchtlinge aus Diabali

Der Angriff auf die Kleinstadt Diabali, die die Rebellen am vergangenen Montag eingenommen hatten, beschränkte sich ebenfalls auf Bombardierungen. Die Stadt mit 15.000 Einwohnern liegt 100 Kilometer von Markala entfernt. Der letzte größere Ort vor Diabali, eine knappe Fahrstunde entfernt, ist Niono.
"Die Terroristen haben die Stadt verlassen und sind Richtung Norden unterwegs", erklärt Seydou Touré, der Präfekt der Region, in seinem Büro im Verwaltungsgebäude von Niono. Die Rebellen sollen nach Lere marschieren.
Der Ort liegt an der mauretanischen Grenze und dient als Zwischenstation auf dem Marsch nach Timbuktu und Gao – zwei ehemalige Hochburgen der Islamisten, aus denen sie zum Teil geflüchtet und auf umliegende Gebiete ausgewichen sein sollen.
In Niono kommen täglich neue Flüchtlinge aus Diabali an. Es ist ein Ort mit 50.000 Einwohnern, durchzogen von zahlreichen Kanälen, in denen Frauen mit ihren Kindern Wäsche waschen. Friedliche Bilder, Krieg passt hier nicht her. Am Ortseingang überprüfen malische Soldaten all jene, die in die Stadt wollen, durchsuchen ihre wenigen Habseligkeiten.

Bürger fürchten Infiltration durch Flüchtlinge

"Wir haben Angst vor Infiltration", sagt Präfekt Touré. Die Nerven in seiner Stadt liegen blank, mehrfach schon ist aus Angst vor anrückenden Islamisten Panik ausgebrochen. "Nur mit Mühe konnten wir die Menschen beruhigen."
Die Flüchtlinge sind nach eineinhalb Tagen Fußmarsch durstig, ausgelaugt und müde. "Als die Islamisten nach Diabali kamen, haben sie die Kirche angezündet", berichtet Mohammadou. Ein Mann sei dabei ums Leben gekommen, fügt der 37-Jährige an, der als Drucker arbeitet.
"Das Krankenhaus haben sie beschossen, bevor sie sich Medikamente holten." Ansonsten hätten sich die Islamisten jedoch sehr nett gegenüber der Bevölkerung verhalten. "Sie haben Wasser und Erdnüsse verteilt." Die Scharia, das göttlich-islamische Recht, sollte nach Absprache mit dem Imam der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden.
"Sie bezahlten den Frauen 2000 Francs (umgerechnet drei Euro), wenn sie ein Kopftuch aufsetzten." Alles sei friedlich geblieben. "Nur an einigen Tagen bombardierten die französischen Flugzeuge."

Freundliche Islamisten aus mehreren Ländern

Mafu kommt aus dem zwei Kilometer vor Diabali gelegenen Dorf Koroma. Bei ihm quartierten sich die Islamisten ein. "Sieben von ihnen schliefen in meinem Haus. Sie waren sehr freundlich."
Sie hätten ihm gesagt, dass sie nur gekommen seien, um die Menschen vor den weißen, französischen Kreuzfahrern und den malischen Soldaten zu beschützen. Man wolle niemandem etwas tun und keinerlei Steuern erheben. "Sie waren gelassen und zuversichtlich, kein Anzeichen von Nervosität. Sie riefen immer wieder Allahu Akbar, Gott ist groß." Gefechte habe auch er nicht gesehen.
Wenig später trifft der 23-jährige Marif mit einer Gruppe von Männern am Ortseingang von Niono ein. Er erzählt, dass die Rebellen ihre Pick-ups unter Bäumen und Planen versteckten. "Wenn Flugzeuge kamen, gingen sie in die Wohnhäuser. Sie tranken mit den Bewohnern Tee, wohnten bei ihnen und beteten mit ihnen in der Moschee."
Die meisten Waffen, die sie bei sich trugen, habe Marif noch nie gesehen: "Unsere Armee hat so etwas nicht." Unter den Islamisten seien Araber, Schwarze und Mischlinge gewesen. Sie sprachen Französisch, Arabisch und Bambara, die lokale Sprache. "Einige konnte man überhaupt nicht verstehen", wirft Moussa ein, der mit Marif und den anderen gekommen ist. "Das waren Sprachen, die ich noch nie gehört habe."

Hochgekrempelte Hosenbeine als Erkennungszeichen

Moussa erzählt, die Rebellen seien ständig in Bewegung gewesen. "Sie fuhren die Stadt ab und kontrollierten umliegende Dörfer." Einer der Islamisten habe ihn aufgefordert, die Hosenbeine hochzukrempeln. Moussa bückt sich lachend hinunter, um es vorzuführen. "Das ist das Erkennungszeichen der Salafisten", erklärt er breit schmunzelnd und zieht die Hosenbeine wieder runter.
Die Aussagen der drei Männer decken sich mit denen anderer Flüchtlinge aus Diabali. Niemand berichtete von Kämpfen. Das malische Militär wie auch französische Regierungsstellen hatten von einer Bodenoffensive und Haus-zu-Haus-Kämpfen gesprochen. Die angebliche Freundlichkeit und Nachsicht der religiösen Extremisten überrascht: In den neun Monaten, in denen sie den Norden Malis kontrollierten, zeigten sie sich wenig tolerant. Sie schlugen Bürger, die geraucht, Musik gehört oder Alkohol getrunken hatten. Dieben schnitten sie die Hand ab. Ein unverheiratetes Pärchen steinigten sie.

Islamisten zerstören Kommunikationsnetzwerk

Die letzte Station auf der Fahrt mit dem Schützenpanzer der französischen Armee führt zu einem Stützpunkt des malischen Militärs – und in eine andere Welt. Hier dösen die 120 Soldaten im Schatten der Bäume, niemand beobachtet die Umgebung mit dem Fernglas, keine Kontrollen, keine Alarmbereitschaft.
"Wir verlassen uns auf unsere Aufklärungsarbeit", versichert Koanti Mahi, der Chef der Truppe. "Wir erhalten sehr gute Informationen von der Bevölkerung." In Diabali sei das Kommunikationsnetzwerk von den Islamisten zerstört worden. "Wenn man jedoch auf Bäume klettert", versichert der malische Hauptmann, kann man ein Signal bekommen."
"Wir sind mit der Zusammenarbeit mit den Maliern sehr zufrieden", meint Hauptmann Pascal. "Sie haben Mut, glauben wieder an sich und sind sehr engagiert." Die Moral des malischen Militärs hatte schwer gelitten, als es von den Tuareg innerhalb von nur drei Monaten vernichtend geschlagen wurde.
Das nomadische Wüstenvolk hatte vor einem Jahr gegen die Zentralregierung in Bamako rebelliert. Als die Tuareg kurz darauf den unabhängigen Staat Azawad ausriefen, wurden sie von den einrückenden Islamisten vertrieben.

Terroristen sind schlagkräftiger als die Taliban

Die Rückfahrt zur Basis der Franzosen in einer Kaserne der malischen Armee dauert keine 20 Minuten. Am Rande des Exerzierplatzes stehen die Zelte der französischen Soldaten. Zum Abschluss gibt Hauptmann Pascal seine Einschätzung über die Kampfkraft der Islamisten.
"Sie sind eine bestens organisierte Truppe von einer militärischen Qualität, mit der Frankreich seit dem Indochina-Krieg nicht mehr konfrontiert wurde." Wesentlich schlagkräftiger als die Taliban in Afghanistan.
"Die Terroristen planen exakt, gehen taktisch vor und verfügen über ausgezeichnete Waffen." Es könnte tatsächlich ein längerer Waffengang werden.